06.07.2018 - Hitzegewitter am Konjunkturhimmel

L-Bank-ifo-Konjunkturumfrage zeigt: Die Südwestunternehmen sind trotz erster konjunktureller Bremsspuren weiter positiv gestimmt
Dr. Axel Nawrath, Vorsitzender des Vorstands der L-Bank, im Interview über die aktuelle Lage

Karlsruhe, 06. Juli 2017. Trotz wachsender geopolitischer Risiken ist die Stimmung unter den baden-württembergischen Unternehmen zum Ende des ersten Halbjahres 2018 nach wie vor gut. Die Südwestunternehmen schätzen ihre aktuelle Lage weiterhin überwiegend positiv ein und auch bei den Geschäftsaussichten für die nächsten Monate überwiegen die optimistischen Stimmen. In Summe ergibt sich ein weiterhin positives Geschäftsklima von 24 Indexpunkten. Dr. Axel Nawrath, Vorsitzender des Vorstands der der L-Bank, über die Lage und die Aussichten der baden-württembergischen Wirtschaft:

Frage: Derzeit mehren sich die Anzeichen, dass der Konjunkturaufschwung in Deutschland seinen Höhepunkt erreicht hat. Wie erklären Sie sich vor diesem Hintergrund den Optimismus der Südwestunternehmen?

Antwort: Richtig ist, dass derzeit viele Forschungsinstitute ihre Prognosen etwas nach unten korrigieren. Ein wesentlicher Aspekt sind die zunehmenden politischen Risiken: In den USA können Exportrisiken entstehen, der Brexit wird Auswirkungen haben und trotzdem – und ich glaube, das muss man immer wieder betonen – befinden wir uns immer noch in einer konjunkturellen Boom-Phase. Und die meisten Ökonomen rechnen auch in 2018 weiterhin mit einem soliden Wachstum von rund zwei Prozent. Das heißt, die deutsche Wirtschaft verliert zwar im Vergleich zum Vorjahr leicht an Tempo, ein Abschwung ist das aber nicht. Ich glaube allerdings, dass wir 2019 zusätzliche Bremsspuren im Wachstumstempo sehen werden, wobei auch dann noch positive Wachstumsraten zu erwarten sind. Ich bin zuversichtlich, dass in Baden-Württemberg kein plötzlicher Einbruch drohen wird. Es gibt also durchaus auch in diesen Zeiten keinen Anlass für Pessimismus.

Frage: Ist nicht gerade Baden-Württemberg mit seiner starken Exportorientierung besonders von den weltpolitischen Entwicklungen betroffen?

Antwort: Das ist so. Einfach, weil die Wirtschaft in Baden-Württemberg sehr exportorientiert ist. Wir sehen in den Umfragen dementsprechend eine kleine Eintrübung der Exporterwartungen. Der transatlantische Handelsstreit ist aber nicht der einzige Grund, warum Unternehmen sich neu orientieren und sich weitere Geschäftsfelder, neue Regionen und neue Partner suchen müssen. Viel wichtiger sind die Herausforderungen der Digitalisierung. Die werden bleiben, egal wie der Handelsstreit mit den Amerikanern ausgeht. Ich glaube, wir sollten mit ein bisschen Gelassenheit und Vertrauen in die eigene Stärke in die Zukunft schauen. Die Unternehmen in Baden-Württemberg haben immer eine hohe Anpassungsfähigkeit bewiesen und auch hier kann man optimistisch sein.

Frage: Wie unterstützt die L-Bank den baden-württembergischen Mittelstand in dieser Lage?

Antwort: Wir wollen, dass der Mittelstand immer noch die guten Rahmenbedingungen, die da sind, nutzt und kräftig investiert. Wir greifen den Unternehmen dabei mit unseren Programmen unter die Arme. Wenn wir unsere Förderbilanz anschauen ist erstaunlich, dass wir gegenüber dem starken Jahr 2017 immer noch Wachstumsraten bei der Kreditabnahme haben. Das zeigt, dass die Unternehmen gar nicht so pessimistisch in die Zukunft schauen. Wir glauben, dass wir im zweiten Halbjahr noch bessere Angebote haben. Wir haben zusammen mit dem Wirtschaftsministerium nach der erfolgreichen Testphase 2017 jetzt die Digitalisierungsprämie als Förderdarlehen mit Tilgungszuschuss in unser Programmangebot integriert. Also, wieder ein neues Angebot das die Landesregierung über die L-Bank den Unternehmen zukommen lässt.

Frage: War bei den baden-württembergischen Verbrauchern angesichts der Negativmeldungen zuletzt eine Stimmungseintrübung zu beobachten?

Antwort: Zusammen mit der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) führen wir bereits seit 2002 unsere Verbraucherumfrage durch. Das ist eine Zahlenreihe von jetzt bald 16 Jahren. Wir haben gesehen, dass sich die Verbraucherstimmung weiterhin stabil hält. Es ist kein Stimmungsumschwung da. Dazu gibt es auch keinen Grund, denn die Lage auf dem Arbeitsmarkt ist blendend, die Gehälter steigen sukzessive und nach Angaben des statistischen Landesamtes verdienen die Arbeitnehmer im Südwesten in den ersten drei Monaten im Monat etwa 50 bis 60 Euro mehr als im gleichen Quartal letzten Jahres.

Das vollständige Interview finden Sie als Podcast im Internet unter www.l-bank.de/podcast und den ausführlichen Konjunkturtest unter www.konjunktur-bw.de .

Hintergrund

Für den L-Bank-ifo-Konjunkturbericht werden monatlich 1.000 Unternehmen zu ihrer Einschätzung der aktuellen Geschäftslage sowie ihren Erwartungen für die nächsten sechs Monate befragt. Die L-Bank ist eine der großen Förderbanken in Europa. Im Jahr 2016 hat die L-Bank die Wirtschaft in Baden-Württemberg mit rund 3,2 Milliarden Euro gefördert. Ansprechpartner ist Dr. Benjamin Quinten, benjamin.quinten@l-bank.de , Tel.: 0721 150-1887.