10.05.2017 - L-Bank-Bilanz 2016: Facettenreiches Förderjahr

  • Mietwohnraumförderung erreicht 10-Jahreshoch
  • Mittelstandsfonds für Digitales Wachstum strebt neue Zielmarke von 200 Millionen Euro an
  • Erfolgsgeschichte der L-Bank Technologieparks wird mit dem Mannheimer Medical Technology Campus fortgeschrieben
  • Ausblick 2017: Programmpalette für Mittelstand, Gründer und Übernehmer erweitert

Stuttgart, 10. Mai 2017. „Unser Förderergebnis 2016 zeigt, dass wir mit unseren Angeboten gut positioniert sind. Mit 12,7 Mrd. Euro (Vorjahr: 10,6 Mrd. Euro) lag die Fördertätigkeit nochmals über dem bereits guten Vorjahreswert“, kommentierte Dr. Axel Nawrath, Vorsitzender des Vorstands der L-Bank, die Entwicklung des zurückliegenden Geschäftsjahres. „Unser Förderangebot ist ausbalanciert und attraktiv. Wo es notwendig ist, werden neue Akzente gesetzt oder es wird auf aktuelle Entwicklungen reagiert – schnell und an die Bedürfnisse unserer Zielgruppen angepasst. Genauso wichtig ist aber die Verlässlichkeit und Kontinuität der Förderung.“

Dabei setzt die L-Bank im Fördergeschäft auf ihr Vier-Säulen-Modell: Klassische Förderkredite zur Wirtschafts-, Wohnraum- und Infrastrukturfinanzierung, Förderung durch Eigenkapitalvergabe, Förderung durch Standortentwicklung und Förderung durch Finanzhilfen.

Klassische Förderkredite: Anreizwirkung ungebrochen

„Förderdarlehen sind und bleiben das wichtigste Instrument in unserem Förder-Werkzeugkasten. Eine stimmige Finanzierung ist ein zentraler Erfolgsfaktor für die langfristige Umsetzung von Ideen. Auch in einem weiteren Jahr der Niedrigzinsphase zeigt sich, dass das zinsgünstige und zinsverbilligte Förderdarlehen weiterhin Anreizwirkung bei Unternehmen und Privatpersonen besitzt“, erläuterte Nawrath. „Trotz des schwierigen Umfelds haben wir im Förderkreditgeschäft 10,6 Mrd. Euro (2015: 8,5 Mrd. Euro) erreicht.“

Wohnraumförderung: Starker Anstieg in der Mietwohnraumförderung

Für den Neubau, den Erwerb und die Modernisierung von Wohnraum wurden insgesamt 2,0 Mrd. Euro (2015: 2,2 Mrd. Euro) für insgesamt 32.616 Wohneinheiten (2015: 36.738 Wohneinheiten) ausgereicht. Noch in den 1990er Jahren waren die Vororte und das Leben auf dem Land das vorherrschende Wohnideal. Die überproportional steigenden Wohnungs- und Mietpreise in den Zentren sind ein Zeichen für die neue Beliebtheit der Städte. Grund dafür ist die schnell steigende Lebensqualität durch umweltfreundliche Technologien und eine smarte Produktion. Die Entwicklungen sind in den boomenden Städten wie Stuttgart, Karlsruhe oder Freiburg ähnlich: Die Nachfrage übersteigt das Angebot. „Mit der Wohnraumförderung versuchen wir hier ausgleichend zu wirken“, so Nawrath. „Dies ist uns 2016 insbesondere in der Förderung von Mietwohnraum erfolgreich gelungen.“

In der Mietwohnraumförderung konnte der Neubau, die Modernisierung oder die Belegungsbindung von 7.832 Mietwohnungen unterstützt werden. Dabei konnte die L-Bank mit 653,4 Mio. Euro gegenüber den Vorjahren nochmals deutlich zulegen (2015: 629,3 Mio. Euro, 2014: 452,1 Mio. Euro). „Besonders erfreulich ist der Zuwachs in der Förderung von Mietwohnraum – hier spielt vor allem der enorme Anstieg in der Landeswohnraumförderung eine wichtige Rolle“, erläuterte Nawrath. Im Bereich des sozialen Mietwohnungsbaus stieg das Neugeschäftsvolumen um 91,9 Mio. Euro auf 204,6 Mio. Euro. Der Neubau sozialen Mietwohnraums konnte mit 1.011 Wohnungen gegenüber den Vorjahren deutlich erhöht werden (2015: 852 Wohneinheiten, 2014: 657 Wohneinheiten, 2013: 76 Wohneinheiten).

Die Wohnraumförderung in Baden-Württemberg wird 2017 von zahlreichen Programmoptimierungen im Landeswohnraumförderungsprogramm 2017 geprägt sein. So wird durch die Aufhebung der bisher geltenden Gebietskulissen die Wohnraumförderung einheitlich in Baden-Württemberg angeboten. Es integriert auch das bisherige Förderprogramm Wohnraum für Flüchtlinge. Und umfasst damit erstmals alle wohnberechtigten Haushalte einschließlich der von Geflüchteten mit Bleiberecht beziehungsweise gesicherter Bleibeperspektive.

Für den Eigentumserwerb sowie private Bau- und Sanierungsvorhaben wurden Kredite von 1,3 Mrd. Euro (2015: 1,5 Mrd. Euro) ausgereicht. An Wohnungseigentümergemeinschaften (WEG) wurden Kredite in Höhe von 32,9 Mio. Euro für 3.783 Wohneinheiten vergeben (2015: 23,9 Mio. Euro). „Die Förderung für energetische Modernisierungen durch WEG wurde in Baden-Württemberg 2012 als erstem Bundesland eingeführt. Jeder Dritte Baden-Württemberger lebt in dieser Eigentümerstruktur. Die kontinuierliche Steigerung der Nachfrage zeigt, dass das Produkt eine Marktlücke geschlossen hat. Mittlerweile eifern viele Bundesländer Baden-Württemberg bei diesem Produkt nach“, verdeutlichte Nawrath.

Wirtschaftsförderung: Auf Augenhöhe mit dem Förderrekordjahr 2015

„Mit 2,9 Mrd. Euro haben wir bei den Förderkrediten für die baden-württembergische Wirtschaft ein hervorragendes Ergebnis erreicht. Das hohe Förderniveau des Ausnahmejahres der Wirtschaftsförderung 2015 (3,2 Mrd. Euro) wurde zwar nicht erreicht. Aber wir bewegen uns leicht über dem Durchschnitt der davor liegenden fünf Jahre und somit auf dem sehr hohen Förderniveau“, sagte Nawrath. 2,2 Mrd. Euro gingen an mittelständische Unternehmen (2015: 2,5 Mrd. Euro), 598,5 Mio. Euro an Existenzgründungen und junge Unternehmen (2015: 609,1 Mio. Euro) und 145,4 Mio. Euro an die Landwirtschaft (2015: 171,5 Mio. Euro).

Mittelstandsförderung: Ein Jahr der Fokussierung

Rund 4.250 Mittelständler nutzten die Kreditfinanzierungen der L-Bank. Im Vergleich zum Ausnahmejahr 2015 war die Nachfrage nach Förderkrediten durch etablierte Unternehmen etwas zurückhaltender – ein bundesweiter Trend in der Mittelstandsförderung. Nichtsdestotrotz konnte ein Beitrag zur Sicherung von 260.000 und zur Schaffung von 7.700 Arbeitsplätzen im Mittelstand geleistet werden. In den beiden flexibel einsetzbaren L-Bank-Leitprodukten „Wachstumsfinanzierung“ und „Investitionsfinanzierung“ wurden zusammen 1 Mrd. Euro zugesagt (2015: 1,2 Mrd. Euro).

Das Förderprogramm „Ressourceneffizienzfinanzierung“ wurde vom Mittelstand besonders häufig in Anspruch genommen. Mit diesem Förderprogramm werden den Unternehmen des Mittelstands günstige Darlehen für die Durchführung von Maßnahmen zum effizienteren Einsatz von Energie und Ressourcen zur Verfügung gestellt. So wird verantwortliches Handeln gegenüber zukünftigen Generationen gefördert. Die Entwicklung der „Ressourceneffizienzfinanzierung“ zeigt, dass die baden-württembergischen Unternehmen bereit sind, in eine effiziente Energie- und Ressourcennutzung zu investieren. Das Kreditvolumen stieg um 35 Prozent auf 671 Mio. Euro (2015: 496 Mio. Euro).

Mit der „Innovationsfinanzierung“ werden seit September 2015 kleine und mittlere Unternehmen in Baden-Württemberg gezielt bei innovativen Vorhaben unterstützt. Gefördert werden marktnahe Forschung und Entwicklung (FuE) sowie Aufwendungen in Zusammenhang mit der Aufnahme neuer Produkte in das Produktionsprogramm, der Einführung neuer Produktionsverfahren, der Einführung neuer Dienstleistungen oder der wesentlichen Weiterentwicklung von vorhandenen, selbst entwickelten Produkten, Produktionsverfahren oder Dienstleistungen. Gefördert wurden 97 Firmen mit einem Kreditvolumen in Höhe von 82,3 Mio. Euro.

Gerade wenn es um die Erschließung von Innovationspotenzialen geht, sind die Mitarbeiter gefordert, da nur entsprechend qualifizierte Mitarbeiter die Nutzenpotenziale neuer Technologien in reale Produktivitätsvorteile umsetzen können. Der Erfolg von Industrie 4.0 hängt von den Mitarbeitern ab und kostet Geld. An diesen Sachverhalt knüpft das im April 2016 gestartete L-Bank-Programm „Weiterbildungsfinanzierung 4.0“ an. Es erlaubt die Finanzierung von Fort- und Weiterbildungsmaßnahmen, die der Erweiterung der beruflichen Qualifikation der Beschäftigten dienen.

„Baden-Württemberg gilt als Innovationsmotor Europas. Um diese Vorreiterrolle dauerhaft zu halten und auszubauen, muss die Investitionsbereitschaft des baden-württembergischen Mittelstands vor allem mit Blick auf das Themenfeld Digitalisierung und Industrie 4.0 steigen. Deshalb wird die L-Bank ihr Förderprogramm „Innovationsfinanzierung“ zum 01. Juli 2017 erweitern, um verstärkt Investitionen für den digitalen Wandel anzuregen“, kündigte Nawrath an. Mit der „Innovationsfinanzierung 4.0“ soll neben den weiterhin förderfähigen Innovationsvorhaben eine gezielte Begleitung von Digitalisierungsvorhaben gefördert werden. Zugleich wird ein spezifisch baden-württembergischer Förderakzent im Bereich der Wertschöpfungskette Mobilität gesetzt werden. Ziel ist es, die Erschließung neuer Anwendungsmöglichkeiten in- und außerhalb der herkömmlichen Automobilproduktion voranzutreiben. Das neue Förderprogramm unterstützt somit die Ziele der am vergangenen Freitag (05. Mai 2017) vorgestellten „Initiative Wirtschaft 4.0 Baden-Württemberg“ zur branchenübergreifenden Unterstützung der Unternehmen im Land und ihrer Beschäftigten bei der Digitalisierung. Die neue „Innovationsfinanzierung 4.0“ verfolgt dabei einen sehr breiten Förderansatz, der explizit neben zinsverbilligten Darlehen mit Tilgungszuschuss das Bürgschaftsinstrumentarium und die stillen Beteiligungen der Bürgschaftsbank/MBG Baden-Württemberg einschließt.

Existenzgründungsförderung: Bundesweit erneut spitze

2016 sank die Zahl der Existenzgründer bundesweit um 13 Prozent. Die derzeit gute wirtschaftliche Lage, attraktive Arbeitsmöglichkeiten in renommierten Unternehmen und eine hohe Arbeitsplatzsicherheit wirken dämpfend auf das Gründungsgeschehen in Deutschland. Umso wichtiger ist die Unterstützung der „tatsächlich Gründungswilligen“ durch Förderinstitute wie die L-Bank, denn die Existenzgründer von heute setzen zusätzliche nachhaltige Wachstumsimpulse für die Zukunft.

Im letzten Jahr hat die L-Bank mehr als 2.700 Gründungen und Unternehmensnachfolgen unterstützt. „Während bundesweit ein deutlich abnehmender Gründungstrend zu beobachten ist fördern wir mit 598,5 Mio. Euro – nach 609,1 Mio. Euro im Vorjahr – weiter auf hohem Niveau. Wir erreichen trotz der Rahmenbedingungen nach wie vor die Gründungswilligen und dabei insbesondere die auf nachhaltig substanzielle Gründungen abzielenden Chancengründer. Darauf sind wir besonders stolz“, so Nawrath. „In den vergangenen sechs Jahren – seit Neustrukturierung unserer Existenzgründungsförderung – haben wir Gründer und Unternehmensnachfolger mit knapp 3 Mrd. Euro unterstützt“, unterstrich Nawrath. Die L-Bank ist damit der größte Existenzgründungsförderer unter den Landesförderinstituten.

Zur Ausrichtung der Förderung sagte Nawrath: „Wir sind zu dem Ergebnis gekommen, dass es, um gesellschaftlich eine Mentalität des Fortschritts zu implementieren, einer Breitenförderung bedarf, aus der Spitzenleistungen entstehen. Jedes unternehmerische Engagement ist es wert, gefördert zu werden, ob sich daraus Unternehmen mit hoher Strahlkraft entwickeln, ist zum Start oft nicht vorhersehbar.“ Vor allem aber haben sowohl die Hightech-Unternehmen wie die „normalen“ Existenzgründer eine hohe Bedeutung für die Entwicklung der Wirtschaft. Während einerseits wenige herausragende Innovationen für den entscheidenden Technologieimpuls sorgen können, sind es die vielen auch „imitierenden“ Gründungen, die die Entwicklungs- und Adaptionsgeschwindigkeit erhöhen.

Mit der im April 2017 gestarteten „MikroCrowd“ soll die Gründungsdynamik im kleinvolumigen Bereich einen neuen Schub erfahren. Gemeinsam mit dem Wirtschaftsministerium Baden-Württemberg haben wir ein innovatives Produkt konzipiert, das neue und etablierte Formen der Gründungsfinanzierung miteinander verzahnt: Die Vorteile einer Crowdfinanzierung, insbesondere der damit verbundene Markttest und der Werbeeffekt über die Verbreitung in den sozialen Medien, werden verbunden mit der Verlässlichkeit und der Flexibilität eines ergänzenden Direktkredits durch die L-Bank. Finden sich auf der MikroCrowd-Online-Plattform, auf der ein Gründer für sein Projekt einen Zielfinanzierungsbedarf einzuwerben versucht, genügend Unterstützer, kann zusätzlich ein Förderdarlehen in Höhe von bis zu 10.000 Euro gewährt werden.

Für ein Maximum an Flexibilität werden auch ein reines Crowdfunding und eine Mikrofinanzierung durch einen alleinstehenden Direktkredit angeboten. Dem Programmzugang ist eine kostenfreie Existenzgründerberatung aus einem breiten Netzwerk an qualifizierten Beratungsinstitutionen obligatorisch vorgeschaltet. „Zum Laufzeitende erfolgt eine automatische Vermittlung an die Hausbanken zur Anschlussfinanzierung mit dem Ziel, die folgenden Wachstumsschritte mit einer Hausbankbegleitung umzusetzen. Wir schlagen damit eine Förder-Brücke zwischen der neuen Welt des Crowdfunding und dem bewährten Hausbankenprinzip“, erläuterte Nawrath. „Mit der bisher für Förderbanken einzigartigen Kombination von klassischem Mikrokredit und Crowdfunding haben wir ein baden-württembergisches Pilot-Modell an den Start gebracht, an dem bereits andere Länder Interesse zeigen. Mit der „MikroCrowd“ haben wir nun erstmals ein Förderprodukt, das sich im digitalen Raum bewegt. Das bedeutet auch für die L-Bank als Förderbank einen Sprung nach vorne.“

Förderung durch Eigenkapitalvergabe: Mittelstandsfonds wächst, VC Fonds in den Startlöchern

„Im Jahr 2015 haben wir eine Modernisierung der L-Bank Beteiligungsstrategie eingeleitet. Hierbei haben wir zum einen unseren Schwerpunkt auf Wachstums-Venture Capital weiter verstärkt und zum anderen unser Angebot für Eigenkapitalfinanzierungen für den baden-württembergischen Mittelstand auf neue Füße gestellt. Mit einem sehr erfreulichen Ergebnis: die Investitionen der L-Bank im Bereich der Eigenkapitalfinanzierungen konnten mit 37,6 Mio. Euro im Vergleich zum Vorjahr (19,1 Mio. Euro) fast verdoppelt werden“, so Nawrath.

Impulse in der Eigenkapitalvergabe für den Mittelstand gab es durch den neuen Mittelstandsfonds, den die L-Bank im Frühjahr 2016 zusammen mit führenden Institutionen aus dem baden-württembergischen Banken- und Versicherungssektor gegründet hatte. Im Fokus des Fonds stehen Unternehmen aus dem Industrie- und IT-Sektor, deren Wachstum mit einem aktiven und partnerschaftlichen Beteiligungsansatz mit Blick auf die großen und kapitalintensiven Herausforderungen der Digitalisierung der Wirtschaft beschleunigt werden soll.

Gemanagt wird der Fonds von dem langjährigen Managementpartner LEA Partners GmbH. Im Dezember 2016 wurden zwei Investments mit einem auf die L-Bank entfallenden Investitionsanteil von insgesamt 10,4 Mio. Euro abgeschlossen (Gesamtinvest: 28,8 Mio. Euro). In der Zwischenzeit hat der Fonds sein ursprüngliches Zielvolumen von 100 Mio. Euro bereits übertroffen und strebt für seinen finalen Zeichnungsschluss ein Volumen zwischen 150 und 200 Mio. Euro an. Der LEA Mittelstandspartner gehört damit zu den fünf größten Fonds in Deutschland, die auf mittelständische Wachstumsunternehmen im Industrie 4.0-Umfeld spezialisiert sind.

Zugleich ergänzt der Mittelstandsfonds das Angebot an Wagnisfinanzierungen für schnellwachsende Unternehmen größenmäßig nach oben, das gemeinsam mit unseren Partnern in den vergangenen Jahren etabliert wurde und das zu einem der besten innerhalb Deutschlands zählt. Dieses gut aufeinander abgestimmte System ermöglicht es, die Unternehmen in den jeweils unterschiedlichen Entwicklungsphasen zu unterstützen. Denn jede Stufe braucht neben dem passenden Finanzierungsvolumen auch passende Gesellschaftertypen. Alleine im vergangenen Jahr wurden 23,7 Mio. Euro für Venture Capital in insgesamt acht Engagements neu investiert (2015: 14,1 Mio. Euro).

Um dem IT- und Technologiestandort Baden-Württemberg noch mehr Schlagkraft zu geben, ist für 2017 die Gründung eines neuen Venture Capital-Fonds mit Fokus auf technologieorientierte Wachstumsunternehmen geplant. Der Fonds wird in enger Abstimmung mit dem Land Baden-Württemberg entwickelt. Wie für den neuen Mittelstandsfonds sollen für diesen VC-Fonds institutionelle Risikopartner aus der baden-württembergischen Finanzbranche sowie weitere private Kapitalgeber gewonnen werden, um insgesamt 50 Mio. Euro bereitstellen zu können. Das bereits heute sehr starke Finanzierungsökosystem für Start-ups wird damit um einen stimmigen weiteren Baustein ergänzt.

Förderung durch Standortentwicklung: Regionale Erweiterung durch den Mannheim Medical Technology Campus

„Die L-Bank muss als Förderinstitut über das einzelne Projekt hinaus denken. Zukunftsfähige Rahmenbedingungen verbessern die Umsetzungschancen einer fortschrittlichen Entwicklung. Dies wird besonders bei der Infrastruktur für Hightech-Unternehmen deutlich“, betonte Nawrath. In den vergangenen Jahren hat die L-Bank als Investor auf bisherigen Brachflächen in Karlsruhe, Stuttgart, Tübingen und Reutlingen ein Raumangebot für technologieorientierte Unternehmen aufgebaut und kontinuierlich weiterentwickelt, das die Clusterpolitik des Landes und den Technologietransfer von der Wissenschaft in die Wirtschaft immobilienwirtschaftlich unterstützt. 255 Unternehmen mit rund 10.000 Mitarbeitern sind dort inzwischen angesiedelt.

Mit dem Mannheimer Medical Technology Campus wird ein zusätzlicher Akzent für die Clusterbildung im Bereich Medizintechnologie gesetzt. Die Gesellschaftsgründung erfolgte im August 2016, Spatenstich war Ende März 2017. Die Weichen für den Aufbau und die räumliche Zusammenführung von Unternehmen und Forschungseinrichtungen mit einer fußläufigen Anbindung an die Universitätsmedizin der Universität Mannheim sind damit gestellt. Innerhalb des revolvierenden, aber begrenzten Investitionsrahmens für Standortentwicklung von 130 Mio. Euro liegt das Investitionspotenzial für die L-Bank in Mannheim bei 30 bis 40 Mio. Euro.

Förderung durch Finanzhilfen: Erneut gestiegenes Zusagevolumen

Als Dienstleister für das Land Baden-Württemberg vergibt und verwaltet die L-Bank einen Teil der vom Land Baden-Württemberg in den Feldern Wirtschaft, Infrastruktur sowie Familien, Bildung und Soziales bereitgestellten Finanzhilfen. Es werden Mittel des Landes, des Bundes und der Europäischen Union ausgereicht. Alle Durchführungselemente eines Förderverfahrens können von uns erbracht werden: von der Beratung und Antragstellung über die Prüfung und Bewilligung bis zu speziellen Aufgaben wie Vergabe- und Beihilfeprüfungen. Dabei bildet unsere Bankinfrastruktur die Grundlage. Sie sorgt dafür, dass die Fördermittel effektiv und schnell an ihr Ziel kommen.

Mit einer Gesamtsumme von 2,2 Mrd. Euro (2015: 2,1 Mrd. Euro) konnten wir bei den Finanzhilfen einen Volumenrekord an ausgereichten Zuschüssen erzielen. Größte Position ist dabei das Elterngeld mit einem Volumen von 912 Mio. Euro (im Jahr 2015: ca. 860 Mio. Euro) und über 140.000 bewilligten Anträgen auf Elterngeld.

Zusätzliche Landesmittel erlaubten eine nochmals deutliche Intensivierung der Breitbandoffensive 4.0. Sie richtet sich an Kommunen und wurde bislang vom Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz verantwortet. Seit Oktober 2016 liegt die Zuständigkeit für den Breitbandausbau beim Ministerium für Inneres, Digitalisierung und Migration. Insgesamt wurde im Jahr 2016 ein Fördervolumen von 128,6 Mio. Euro erreicht.

Digitale Förderbank

„Nicht nur digitalen Wandel fördern, sondern diesen im Sinne ihrer Förderkunden auch für sich selbst zu gestalten, ist eine Mammutaufgabe für die L-Bank als Förderbank des Landes. Hierzu haben wir in den Jahren 2015 und 2016 unterschiedlichste Projekte auf den Weg gebracht“, sagte Nawrath.

„Die Digitalisierung bietet uns die Möglichkeit, unsere enge Partnerschaft zu unseren Finanzierungspartnern weiter zu intensivieren“, so Nawrath: Mit dem L-Bank Expertenportal soll ein schneller digitaler Informations-, Kommunikations- und Beratungsservice geschaffen werden. Unsere Finanzierungspartner bekommen eine schnelle und komfortable Möglichkeit zur Informationsbeschaffung bei allen Fragen rund um das Thema Förderung. Primäres Ziel des Expertenportals ist es, den Beraterinnen und Berater bei den Finanzierungspartnern ihre tägliche Arbeit zu erleichtern. Das Portal soll maßgeblich dazu beitragen, die Kommunikation mit den Finanzierungspartnern zu vereinfachen und perspektivisch auch die Informationsanforderungen der Hausbanken zu reduzieren. Das Expertenportal ist für unsere Partner freigeschaltet und wird in seinen Leistungsumfängen bis Mitte des Jahres sukzessive erweitert.

Zusammen mit den Industrie- und Handelskammern und der Bürgschaftsbank wird das Projekt „Digitale Finanzierungssprechtage“ vorangetrieben. Nachdem die Testläufe erfolgreich waren, werden wir am 23. Mai 2017 zusammen mit der IHK Heilbronn und der Bürgschaftsbank mit der Videoberatung in den „Echtbetrieb“ gehen. Mit dem geplanten flächendeckenden Ausbau der Videoberatung können wir zusammen mit den Wirtschaftskammern noch flexibler auf unsere Kunden eingehen und deren Beratung intensivieren.

Mit der Einführung eines interaktiven Formularassistenten im Elterngeld haben wir einen ersten wichtigen Schritt zur Vereinfachung der Antragstellung vollzogen. Die bisher verwendeten ausfüllbaren PDFs werden sukzessive durch sogenannte Formularassistenten ersetzt. Diese führen den Antragsteller beim Ausfüllen der Formulare.

Die Anbindung an die KfW-Fördermittelplattform „Bankdurchleitung Online 2.0 (BDO)“ stellt eine wichtige Maßnahme für die Vereinfachung und Beschleunigung der Förderzusage dar. Die L-Bank ermöglicht als deutschlandweit erstes Landesförderinstitut den Zugang zu einer onlinebasierten Sofortzusage für ihre Förderkredite. Die Bankberater unserer Kooperationspartner können seit Mitte 2016 in der Wohnraumförderung in einem durchgängig internetgestützten Verfahren noch während des Kundengesprächs einen Kredit bei der L-Bank beantragen und unmittelbar eine Förderentscheidung erhalten. Der neue Service, der gemeinsam mit der Sparkassen-Finanzgruppe, der Genossenschaftlichen Finanzgruppe, der Südwestbank und der KfW in einem Großprojekt über 18 Monate gestemmt wurde – verkürzt den Weg für Privatpersonen zu ausgewählten wohnwirtschaftlichen Produkten der L-Bank.

Betriebsergebnis 2016

Die L-Bank erwirtschaftete im Jahr 2016 ordentliche Erträge in Höhe von 421,0 Mio. Euro (Vorjahr: 422,1 Mio. Euro). Der Zinsüberschuss blieb nahezu unverändert bei 368,9 Mio. Euro (Vorjahr: 365,4 Mio. Euro). „Die anhaltende Niedrigzinsphase geht auch an uns nicht spurlos vorüber“, kommentierte Dr. Ulrich Theileis, Stellvertretender Vorstandsvorsitzender der L-Bank, die Ergebnisentwicklung. „Die Ertragsrückgänge konnten lediglich durch positive Sondereffekte, wie der temporären Entlastung durch die gesetzliche Änderung des Abzinsungssatzes für die Pensionsrückstellungen, für das Jahr 2016 kompensiert werden.“

Insbesondere durch die aufsichtsrechtlichen Rahmenbedingungen entstehen hohe zusätzliche Kosten. Das geht letztlich zu Lasten der Mittel, die von der L-Bank für die Fördertätigkeit eingesetzt werden können. Dem versuchen wir auch mit einer konsequenten Ausgabendisziplin entgegenzuwirken. Der Personal- und der Sachaufwand verringerten sich um 3,1 bzw. 6,2 Prozent. Das Betriebsergebnis vor Risikovorsorge und Bewertungen erhöhte sich auf 245,6 Mio. Euro (Vorjahr: 241,3 Mio. Euro). „Im mit 92,9 Mio. Euro erneut sehr erfreulichen Bewertungsergebnis der L-Bank spiegelt sich die stabile konjunkturelle Lage in Baden-Württemberg und unsere sehr konservative Bewertungspolitik“, erläuterte Theileis.

Die L-Bank hat zum 01. Januar 2017 ein neues Förderbeitragssystem eingeführt. Kernelement ist, dass die Förderbeiträge der L-Bank nun aus bereits erwirtschafteten Ergebnissen geleistet werden. Dementsprechend hat die L-Bank zum 31. Dezember 2016 für die Erbringung von Förderbeiträgen in den Geschäftsjahren 2017 und 2018 Rückstellungen von jeweils 80 Mio. Euro zur Erstdotierung des Förderfonds gebildet.

Aus dem Ergebnis 2016 stellt die L-Bank dem Land für die Förderung insgesamt 127,7 Mio. Euro (Vorjahr: 128,6 Mio. Euro) zur Verfügung. Der Anteil der Zinssubventionen und Zuschüsse liegt bei 113,6 Mio. Euro (Vorjahr: 114,5 Mio. Euro). Die Leistungen für den Straßenbau lagen bei 14,1 Mio. Euro (Vorjahr: 14,1 Mio. Euro). Hiernach ergibt sich ein Jahresüberschuss von 49,3 Mio. Euro. Die Bilanzsumme der Bank belief sich auf 75,1 Mrd. Euro (Vorjahr: 73,3 Mrd. Euro).

Die Kernkapitalquote nach Basel III (Regelung Stand Stichtag) hat sich weiter verbessert und lag zum 31. Dezember 2016 bei 18,0 Prozent (Vollumsetzung Basel III). „Die Leverage Ratio als risikounabhängige Aufsichtskennzahl beobachten wir genau, da eine zu restriktive Entwicklung unser besonders risikoarmes „Brot-und-Butter“-Fördergeschäft beeinträchtigen könnte“, so Theileis. Ab 2018 ist eine Mindestquote von 3 Prozent vorgesehen. Per 31. Dezember 2016 lag sie bei 4,37 Prozent.