23.01.2018 - Jung und gut vorbereitet gelingt die Nachfolge

Gelungener Generationswechsel bei JAMARA in Aichstetten – mit Unterstützung der L-Bank Gründungsförderung

Mit erst 27 Jahren eine Firma zu übernehmen, ist mutig. Und als Gründer einen Betrieb mit Anfang 60 zu übergeben, ist auch kein kleiner Schritt. Manuel Natterer und sein Vater Erich haben die Übergabe der JAMARA e.K. in Aichstetten bei Memmingen früh über die Bühne gebracht und dennoch sorgfältig geplant. Nicht zuletzt deshalb sieht sich JAMARA heute gut aufgestellt und zählt zu den größten Spielwaren- und Modellbaugroßhändlern Europas – auch dank der Gründungsförderung der L-Bank.

Die demografische Kurve macht auch vor den Werkstoren nicht halt: So berichtet der Deutsche Industrie- und Handelskammertag im Dezember 2017, dass 44 Prozent der beratenen Betriebe keinen Nachfolger gefunden hätten. Immer mehr erreichen ohne geregelten Generations­wechsel das Ruhestandsalter. „Mit der Übergabe und Übernahme eines Unternehmens sollte man möglichst früh beginnen“, rät Manuel Natterer. Sein Vater Erich hatte ihm 2014 bereits mit 61 Jahren die Verantwortung für dessen Lebenswerk, die JAMARA e.K. in Aichstetten bei Memmingen, in die Hände gelegt. Viele denken da noch lange nicht ans Aufhören. Und auch Manuel Natterer war zu diesem Zeitpunkt gerade einmal 27 Jahre jung. Für die meisten Gründer noch nicht das Alter, in dem sie einen ganzen Betrieb schultern möchten. Früh abgeben und früh einsteigen – ist das das Ge­heimnis einer erfolgreichen Übergabe von einer Generation zur nächsten?

Erich Natterer ist ausgebildeter Elektriker und hatte JAMARA 1973 als Einzelhandelsunternehmen für Modellbau gegründet. Über Jahrzehnte hinweg baute er die Firma zu einem florierenden Großhandelsunternehmen aus. Kurz nach der Jahrtausendwende dann ein weiterer Wachstums­schub: Erich Natterer hatte analysiert, dass bei Kinderspielzeug bis 25 DM und Modellbau ab 100 DM ein Bedarf bestand, den er mit neuen Produkten decken konnte. „Mein Vater hat damals eine echte Marktlücke erkannt“, sagt Manuel Natterer anerkennend. Auch heute noch ist die Angebotspalette gut umrissen: jede Art von Fahrzeugen und Flugzeugen, aber auch die Laser Gun und der Quadrocopter. „Umgekehrt lassen Unternehmen Produkte von uns als Spielzeug oder Modellbausatz für Marketingzwecke nachbilden“, erläutert Manuel Natterer. Darüber hinaus handelt JAMARA mit LEDs, mit denen auch Teilumrüstungen in großen Unternehmen wie bei ZF Friedrichshafen gestemmt werden können.

Manuel Natterer hat die Entwicklung des Familienbetriebs hautnah mitbekommen. „Das Unternehmen war bei uns Zuhause natürlich oft ein Thema“, erinnert er sich an seine Kinderzeit. Er und die Schwester begleiteten den Vater häufig auf Messen oder besuchten ihn in der Firma. Seine ersten beruflichen Schritte machte er jedoch in einem anderen Unternehmen und absolvierte wie sein Vater zunächst eine handwerkliche Ausbildung. JAMARA blieb er aber immer eng verbunden. Schon Jahre vor der eigentlichen Nachfolge einigten sich die Familienmitglieder, dass er eines Tages die Firmen-Geschicke lenken sollte; das war zugleich der Zeitpunkt, an dem er ins elterliche Unternehmen eintrat. „Bei der Übernahme war ich zwar jung an Jahren, aber gut vorbereitet“, fasst Manuel Natterer seinen Werdegang zusammen.

Beim Generationenwechsel wurde Manuel Natterer von seiner Hausbank, der Kreissparkasse Ravensburg, auf das Förderprogramm „Gründungs­finanzierung“ der L-Bank aufmerksam gemacht. Damit unterstützt das Förderinstitut des Landes Baden-Württemberg Unternehmen bis zu fünf Jahre nach Gründung beziehungsweise Übernahme mit lang laufenden zinsverbilligten Darlehen bis zu einer Darlehenshöhe von fünf Millionen Euro. „Den Antrag zu stellen, war sehr einfach und der ganze Vorgang unkompliziert zu handhaben“, freut sich Manuel Natterer und gibt sich überzeugt: „Nicht zuletzt wegen der attraktiven Zinsen würde ich jedem, der gründet oder eine Firma übernimmt, eine solche Finanzierung empfehlen.“

Und was macht der Firmengründer? Erich Natterer sah in der Übergabe keineswegs die Aufforderung, nun die Hände in den Schoß zu legen. Vielmehr bringt er sich weiterhin in die Entwicklung des Unternehmens ein. So entstand 2014 der Plan, die zahlreichen dezentralen Lager durch den Bau einer großen Halle an einem Standort zusammenzufassen. Anstatt einem Ingenieurbüro die Bauleitung anzuver­trauen, übernahm der Senior die Aufgabe und arbeitete sich in die komplexe Materie ein. „Ich sage nur: Brandschutz“, so Manuel Natterer. Die Halle ist auf einer Fläche von 6.000 Quadratmetern mit einer Lager­kapazität von mehr als 50.000 Kubikmetern seit Herbst 2017 fertiggestellt. „Durch das Engagement meines Vaters haben wir viel Geld gespart und konnten das Gebäude passgenau für unsere Zwecke umsetzen.“ Das Resultat: eine deutlich zügigere Logistikabwicklung und somit schnellere Lieferzeiten.

Auch wenn Manuel Natterer die alleinige Verantwortung trägt, bleibt das Unternehmen eine Familienangelegenheit. Neben seiner Frau und seinem Vater arbeiten auch der Schwager und sein Onkel bei JAMARA. Dabei schaut die Familie über den Tellerrand hinaus und fühlt sich nicht nur für den Betrieb und die rund 100 Mitarbeiter verantwortlich, sondern auch für jene, denen es nicht so gut geht und die aus Kriegs- oder Krisengebieten fliehen mussten. Wie Yusupha Jammeh und Muhammed Jarju aus Gambia, die beispielsweise im Bereich Lager und Logistik arbeiten. „Wir wollen unseren Beitrag zur positiven Integration im Arbeitsmarkt leisten und mit gutem Beispiel vorangehen“, so Manuel Natterer zum Einsatz seiner Familie und des ganzen Unternehmens.

Informationen zu Gründungsfinanzierung der L-Bank unter www.l-bank.de/gruendung und zu Jamara unter www.jamara.com . Einen Hörfunk-Podcast finden Sie unter www.l-bank.de/podcast .