11.05.2009 - Wohnungsmarktbeobachtung 2008: Energiekosten wichtiger als Balkon

Die Energiekosten haben sich inzwischen zu einem entscheidenden Nachfragekriterium auf dem Immobilienmarkt entwickelt. Mehr als 80 Prozent  der Baden-Württemberger achten bei ihrem nächsten Umzug darauf, dass ihr neues Zuhause aktuellen energetischen Standards entspricht. Damit hat der Energieverbrauch einer Wohnung oder eines Hauses bereits andere Anforderungen, wie etwa einen Balkon oder ein Vollbad, überholt. Das ist ein Ergebnis der aktuellen L-Bank Wohnungsmarktbeobachtung, für die repräsentativ 2.000 Baden-Württemberger befragt wurden. Der Grund dafür sind die rasant gestiegenen Kosten für Strom, Gas und Öl. Zum Jahresende 2008 lagen die Ausgaben der privaten Haushalte für Wohnenergie mehr als 50 Prozent über dem Niveau von 1998.

„Auf diese Entwicklung hat der Gesetzgeber reagiert. Seit Anfang 2009 ist für alle Wohngebäude der Energiepass verpflichtend vorgeschrieben“, erläutert Christian Brand, Vorsitzender des Vorstands der L-Bank. „Vor allem durch den bedarfsorientierten Ausweis entsteht auf dem Immobilienmarkt die nötige Transparenz. Denn er informiert detailliert über den energetischen Zustand eines Gebäudes und gibt so Hauskäufern und Mietern einen Richtwert über die zu erwartenden Energiekosten an die Hand.“

Darüber hinaus konzentrieren sich die staatlichen und landeseigenen Förderangebote verstärkt auf Maßnahmen zur Senkung des Energieverbrauchs und zur Reduktion von schädlichen CO2 -Emissionen.

„Wichtigster Ansatzpunkt ist dabei die Sanierung im Wohnungsbestand“, erklärt Brand. „Hier ist der Wirkungshebel auch am größten. In Baden-Württemberg werden pro Jahr rund 30.000 neue  Wohneinheiten gebaut. Diesen stehen rund fünf Millionen  Bestandswohnungen gegenüber. Der Verbesserung der Energieeffizienz im Wohnungsbestand, auch bei stärkerer Nutzung erneuerbarer Energien, kommt daher eine große Bedeutung zu.“

Die Erfolgsbilanz der Förderprogramme kann sich dabei sehen lassen: In weiten Teilen Baden-Württembergs sind Sonnenkollektoren auf dem Dach, Pelletheizungen im Keller und Wärmedämmung an der Fassade bereits Realität. Im Jahr 2007 wurde durch geförderte Gebäudesanierungen der CO2-Austoß um rund 75.000 Tonnen  reduziert. Kein anderes Bundesland erzielte größere Einsparungen.

Zudem lässt sich ein deutlicher Modernisierungsschub bei den Heizungssystemen beobachten. Während in den 1980er-Jahren mehr als 60 Prozent der Wohnungsneubauten mit Öl beheizt wurden, liegt der Anteil derzeit nur noch bei rund sechs Prozent. Gewinner dieser Entwicklung sind alternative Heizsysteme. Beachtliche 20 Prozent der 2007 neu genehmigten Wohngebäude werden mit Wärmepumpen beheizt. Zugleich zeigt sich ein Trend zum Einsatz von Holz oder sonstigen erneuerbaren Energieträgern. Aktuell steht beispielsweise etwa jede fünfte Holzpellets-Heizung in Deutschland in Baden-Württemberg.

Hintergrundinformationen:

Am 14.05.2009 erscheint die L-Bank Wohnungsmarktbeobachtung Baden-Württemberg, die in enger Kooperation mit dem IMWF Institut für Management- und Wirtschaftsforschung entstanden ist. Die Studie gibt einen detaillierten Überblick über aktuelle wohnungswirtschaftliche Entwicklungen in Baden-Württemberg und liefert so interessenunabhängige Marktinformationen für Investoren, Vermittler, Finanzierungsinstitute und Bauherren. Die aktuelle Wohnungsmarktbeobachtung stützt sich dabei auf zwei Säulen: Neben der Analyse amtlicher Wohnungsmarktindikatoren fließen in die Marktbeobachtung Ergebnisse einer repräsentativen Bevölkerungsbefragung ein. 2.000 Baden-Württemberger geben darin Auskunft über ihre aktuelle Wohnsituation und zukünftige Wohnwünsche.