07.03.2017 - Im Mixed läuft´s am besten

Trend zu Teamgründungen: Ein Erfolgsmodell für Gründerinnen

Karlsruhe 07.03.207. Baden-Württembergs Gründungsförderung bewegt sich seit Jahren auf einem absoluten Spitzenniveau und darf sich Gründungsförderland Nr. 1 nennen. Nicht nur zum Weltfrauentag am 8. März lohnt ein besonderer Blick in die Förderzahlen: Dabei lässt sich in der Existenzgründungsförderung eine bemerkenswerte gendergeprägte Entwicklung beobachten: Mehr und mehr kristallisieren sich Teamgründungen als Erfolgsmodell heraus. Partner, die sich ergänzen und die einander vollumfänglich Vertrauen können, machen es leichter, Verantwortung zu übernehmen und die Arbeit sinnvoll aufzuteilen. „Wichtig ist aber auch: Teams sind nicht per se erfolgreich. Damit es passt, muss man seine eigenen Talente und Stärken kennen – und das Gründungsteam sich durch ergänzende Stärken auszeichnen“, so Dr. Axel Nawrath, Vorsitzender des Vorstands der L-Bank.  Einige Beispiele aus dem Landespreis für junge Unternehmen Baden-Württemberg und der L-Bank Förderpraxis illustrieren dies:

Der Landespreissieger 2016, die CeGaT GmbH aus Tübingen. Saskia Biskup gründete im Jahr 2009 gemeinsam mit ihrem Mann Dirk die CeGaT GmbH im Technologiepark Tübingen-Reutlingen. Im Auftrag von Ärzten und Klinikeinrichtungen analysieren die Genspezialisten seitdem mit einer sogenannten Hochdurchsatz-Sequenzierung das menschliche Erbgut. Sie identifizieren auf diesem Weg die genetischen Ursachen einer Erkrankung und öffnen so passgenaue Wege der Behandlung. Heute untersuchen mehr als 120 hochqualifizierte Mitarbeiter das Erbgut von jährlich über 10.000 Patienten auf krankheitsverursachende Veränderungen. Das alles sieht im Rückblick alles ganz einfach und logisch aus – bis es so weit war, hatten die beiden Firmengründer jedoch eine lange Durststrecke zu überwinden. Die Geräte des Unternehmens litten anfangs an vielen Kinderkrankheiten. Die Software zur Auswertung der Daten musste selbst geschrieben werden; Projekte gab es praktisch keine und die notwendigen qualifizierten Mitarbeiter zu finden war praktisch unmöglich.

Gewinner beim Landespreis 2010 war die Profilmetall GmbH aus Hirrlingen im Landkreis Tübingen. Das Unternehmerpaar Daniela Eberspächer-Roth und Manfred Roth führt das Unternehmen seit 1999 in der zweiten Generation. Seither hat Profilmetall eine rasante Entwicklung genommen. Übernommen hatten die beiden Unternehmer einen abhängigen Lohnprofilierer, der hauptsächlich für den Bau arbeitete. In wenigen Jahren bauten sie den Betrieb zum gefragten Engineering-Partner und anspruchsvollen Systemlieferanten unterschiedlicher Branchen auf. Von Anfang an war es Ziel des Unternehmerpaares ihr Leistungsspektrum weiter zu ergänzen. Daher ist beiden die enge Zusammenarbeit mit der Forschung und Hochschulen wichtig.

Der Sonderpreis für Kleinstunternehmen wurde bei dem gemeinsam vom Land und von der L-Bank zweijährlich ausgeschriebene Landespreis für junge Unternehmen im Jahr 2012 an die Lemonfish GmbH aus Plüderhausen im Rems-Murr-Kreis verliehen. Im Jahr 2001 gründeten die Designerinnen Alexandra Dittrich und Bettina Burchard die Firma Lemonfish. Die beiden Gründerinnen hatten sich während ihres Industriedesignstudiums kennengelernt und nach einigen Jahren Berufserfahrung in internationalen Unternehmen beschlossen, sich selbstständig zu machen. Das Geschäftsmodell setzt auf Nachhaltigkeit und Kontraste. Produziert wird die Kollektion in deutschen Gefängnissen und seit einigen Jahren auch in der eigenen Lemonfish Näherei in Plüderhausen.

Durch die Verbindung von Modedesign und Biotechnologie ist die Kleidung von der RobeCode GmbH aus Vöhringen im Landkreis Rottweil etwas ganz Besonderes. Ute Binder wollte nicht nur einfach Mode für Frauen machen. Sie suchte und fand die richtige Idee für ihre Existenzgründung: faire Mode mit viralem Touch. Die Trägerinnen sollen mit anderen Frauen kommunizieren, erzählen, woher sie das Kleidungsstück haben und wie das mit dem QR-Code funktioniert. Die Frauen kommen so miteinander ins Gespräch und verknüpfen sich mittels QR-Code mit den sozialen Netzwerken. Für einen Kauf gibt es neben der Optik zudem noch ein weiteres gutes Argument: Die Kleidung besteht aus recycelten PET-Flaschen und Hightech-Fasern aus nachwachsenden Rohstoffen. Ihr Bruder Uli Binder hat als molekularer Biotechnologe die Entwicklung und Produktion der hochwertigen Stoffe organisiert. Zusammen haben sie so ein einzigartiges Produktkonzept umgesetzt. Damit überzeugten Ute und Uli Binder Hausbank und L-Bank, die das Vorhaben im Jahr 2013 mit einem Darlehen aus dem Programm „Startfinanzierung 80“ unterstützte.

Diese Einzelbeispiele, aber auch die harten Zahlen des Statistischen Landesamtes belegen eine deutlich gestiegene Bedeutung der Frauen für das Wirtschaftsgeschehen in Baden-Württemberg: Bei der Beschäftigungsentwicklung bei den Baden-Württembergerinnen fest: Die Anzahl der sozialversicherungspflichtig beschäftigten Frauen stieg von 1986 bis 2016 von 1,42 auf 2,01 Millionen. Der Zuwachs von 41 Prozent – gegenüber nur knapp 18 Prozent bei den Männern.

Mehr Informationen zu den Fördermöglichkeiten der L-Bank unter www.l-bank.de/unternehmen