Fallbeispiel GlobalFlow

GlobalFlow findet Potenziale, die im Abfall liegen.

„Ein solides baden-württembergisches, inhabergeführtes Unternehmen aufbauen“ – das war und ist die Vision von Nadine Antic und Seda Erkus, die im Jahr 2012 die GlobalFlow GmbH in Reutlingen und Stuttgart gründeten. Die beiden Ingenieurinnen beraten Unternehmen und entwickeln für sie individuelle Konzepte: Sie zeigen, wie Abfall vermieden, Wertstoffe recycelt und dabei Geld gespart werden kann. Ein Mehrwert für alle, vor allem auch für die Umwelt. Mit einer Startfinanzierung der L-Bank wurde diese außergewöhnliche Geschäftsidee verwirklicht.

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Einige schlaflose Nächte verbrachten Nadine Antic und Seda Erkus bei der Gründung ihres Unternehmens schon. Können wir schnell genug ausreichend Kunden akquirieren? Haben wir alle Kosten berücksichtigt? Die Gründerinnen kalkulierten gewissenhaft ihre Umsätze, doch würden sie sich auch so realisieren lassen? Vor allem aber: Würde die Geschäftsidee für die GlobalFlow GmbH wirklich funktionieren?

Nadine Antic und Seda Erkus vermitteln ihren Kunden einen neuen Blick auf das, was viele Unternehmen „Abfall“ nennen. „Bei einem Großteil davon handelt es sich jedoch um Wertstoffe, die als solche nicht erkannt werden“, erläutert Nadine Antic die Geschäftsidee. Die Ingenieurinnen entwerfen für produzierende Unternehmen Konzepte, mit denen sie ihr Abfallaufkommen reduzieren und gleichzeitig Geld sparen. Für dieses Thema haben sich die jungen Unternehmerinnen schon früh interessiert. Gemeinsam studierten sie an der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen „Energie- und Ressourcenmanagement“. Anschließend machten sie beide ihren Master: Nadine Antic in Produktionsmanagement und Seda Erkus in Umweltschutzingenieurwesen. Mit ihren Qualifikationen wären die Ingenieurinnen bei großen Stuttgarter Firmen mit offenen Armen empfangen worden. Doch der Wunsch nach beruflicher Selbstständigkeit setzte sich durch. „Wir wollen ein innovatives Unternehmen aufbauen, so wie die typischen baden-württembergischen Familienunternehmen, von denen wir mittlerweile schon viele kennengelernt haben“, erläutert Seda Erkus ihre Vision.

Die schlaflosen Nächte der ersten Gründungsphase haben Antic und Erkus schnell hinter sich gelassen. Erfolge bei Businessplan-Wettbewerben – wie dem NewBizCup2.0 der baden-württembergischen Landesregierung – bestätigten die Geschäftsidee. Die Kreissparkasse Reutlingen vermittelte den Gründerkredit Startfinanzierung 80 der L-Bank. Das Förderinstitut des Landes Baden-Württemberg unterstützt mit diesem Programm Unternehmen bis drei Jahre nach der Gründung mit zinsverbilligten Darlehen. Neben langen Laufzeiten sind vor allem die flexible Darlehenshöhe mit bis zu 100.000 Euro sowie die gegenüber marktüblichen Angeboten niedrigen Zinsen von Vorteil. Wichtig ist – gerade für Gründer mit wenig  Eigenkapital – die mit dem Kredit verbundene standardisierte Bürgschaft. Standardisiert heißt, nur ein Antrag wird über die Hausbank eingereicht, er gilt sowohl für den Kredit als auch für eine 80% Bürgschaft der Bürgschaftsbank Baden-Württemberg. Die Startfinanzierung der L-Bank, kombiniert mit dem First-Step-Darlehen der Stadt Reutlingen, ermöglichten im Fall von Antic und Erkus den unkomplizierten Start in die Selbstständigkeit noch während des Studiums.

Nun konnte die Arbeit losgehen: „Jeder Kunde“, so die Erfahrung von Seda Erkus, „wirft andere Fragestellungen auf, das ist ungemein spannend.“ Einem Handwerksunternehmen half GlobalFlow, den während der Verarbeitungsprozesse entstehenden Müll besser zu trennen. Die Wertstoffe werden aussortiert und an Recycling-Unternehmen verkauft – und der Abfall insgesamt reduziert. Für eine Klinik beobachteten und analysierten die Gründerinnen die Arbeitsprozesse mit Blick auf das Abfallaufkommen und die Entsorgung. Auch hier wurden Möglichkeiten zur Optimierung gefunden. „Das geht häufig sehr in die Details“, so Nadine Antic. Um ein anschauliches Beispiel zu nennen: Da spielt auch die Entscheidung eine Rolle, ob man Tücher und Kanülen besser als Einweg- oder Mehrwegartikel kauft. Die Gründerinnen bekamen schnell Aufträge von größeren, international arbeitenden Kunden. Ein Anlagenbauer beauftragte Global Flow damit, schon bei der Entwicklung der Anlagen mitzuarbeiten, damit dann die spätere Entsorgung von Einzelteilen ökologisch einwandfrei und kostengünstig abläuft – und zwar an seinen internationalen Standorten. „Jedes Land hat andere Regeln, wie Entsorgung ablaufen muss. Deshalb sind solche weltweit aufgestellten Firmen eine spannende Herausforderung für uns.“

Für die Unternehmen rechnet sich die Arbeit von GlobalFlow: „Im Durchschnitt können wir durch unsere Beratung etwa 45 Prozent der Entsorgungskosten einsparen“, erläutert Nadine Antic. Und Seda Erkus ergänzt schmunzelnd: „Gelegentlich werden wir von den gestandenen Betriebsleitern zunächst skeptisch beobachtet. Doch unsere häufig verblüffenden Ideen überzeugen sie schließlich. Effiziente Entsorgung ist eben auch eine Frage der kreativen Verwertung.“

Auch bei Wettbewerben waren die Juroren von der Arbeit von GlobalFlow begeistert. So  gewann das Unternehmen unter anderem im Jahr 2013 den mit 50.000 Euro dotierten Darboven IDEE Förderpreis. „Noch wichtiger als das Geld ist die Bestätigung, die man dadurch erfährt, und natürlich die vielen Kontakte, die sich daraus ergeben“, meint Nadine Antic.
Doch auf diesen Erfolgen ruhen sich die beiden Gründerinnen nicht aus. Derzeit entwickeln sie gemeinsam mit drei neuen Mitarbeitern ein innovatives Verfahren, mit dem biogene Abfälle zu hochwertigem Humus verarbeitet werden können. Eine komplizierte Angelegenheit und viel Arbeit, denn das Verfahren soll ermöglichen, auch problematische Abfälle wie Reste aus Biovergärungsanlagen, Langgras, Tiereinstreu und Holzverschnitt zu Dünger zu verarbeiten. Doch schlaflose Nächte bereiten den Gründerinnen solche Herausforderungen nicht mehr.

Mehr Informationen unter www.global-flow.de und www.l-bank.de/existenzgruendung