Fallbeispiel Hotel und Restaurant „Rose“

Erfolg Daheim

Nach Ausbildung und Studium stand Benjamin Maerz die ganze Welt offen – und war doch schon in den Betrieb seiner Eltern hineingewachsen. Als jüngster Sternekoch Deutschlands baute er den Betrieb zu einem der besten in der Region aus.

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„Es war eine reine Bauchentscheidung“, erinnert sich Benjamin Maerz an die Übernahme des elterlichen Betriebs. Die „Rose“ in Bietigheim hatte seine Kindheit geprägt und ihn auch in seinen Ausbildungs- und Studienjahren begleitet. In dem Hotel- und Restaurantbetrieb machte er seine Ausbildung zum Koch und arbeitete dort während des Foodmanagement-Studiums an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg (DHBW). Noch als Student wurde er mit erst 21 Jahren Chefkoch der Rose. Vormittags studieren, abends kochen – zum Lernen blieb da nur die Nacht, vor allem, als er ein Jahr später zusätzlich Geschäftsführer wurde.

Was als vorübergehende Lösung gedacht war, entpuppte sich als Glücksfall – und als unmerklicher Übergang zum Unternehmer. Zunehmend fand er Gefallen daran, sein im Studium erworbenes Wissen unmittelbar in die Praxis umzusetzen, probierte von Anfang an vieles aus und optimierte beispielsweise die Küchenorganisation. „Als ich dann 2013 den elterlichen Betrieb übernahm, hatte ich bereits einen ganzen Sack voller Ideen, was ich ändern wollte“, blickt Benjamin Maerz zurück. Realisieren konnte er seine Pläne unter anderem mit Hilfe des Programms „Startfinanzierung 80“ der L-Bank: Ein zinsverbilligtes Darlehen, das durch eine 80%ige Bürgschaft abgesichert ist, wird für Existenzgründungen und Übernahmen sowie Vorhaben innerhalb von fünf Jahren nach der Gründung zur Verfügung gestellt. Benjamin Maerz ermöglichte es die Renovierung und Modernisierung sowie den Umbau von Zimmern und Restaurant.

Danach startete er durch: Schon im November 2013 erhielt Benjamin Maerz – im Alter von 25 Jahren – einen Stern des Guide Michelin. „Für mich kam das alles überraschend schnell“, erinnert er sich. „Und doch war mir immer klar: Wenn ich etwas mache, dann richtig.“ Heute bezeichnet er sein Unternehmen nicht mehr als Familienbetrieb, denn er und sein Bruder Christian Maerz, der im Jahr 2013 als Restaurantleiter und Sommelier in das Unternehmen einstieg, sehen sich einer professionellen Unternehmensführung verpflichtet. Dazu gehören die regelmäßige Optimierung des Lieferantenstamms und das Personalmanagement. Besonders Letzteres liegt Benjamin Maerz am Herzen: „Wir machen vieles anders. Und so gilt für uns nicht, was häufig in der Öffentlichkeit über ungünstige Arbeitsbedingungen in der Gastronomie berichtet wird.“ Die 20 Mitarbeiter verdienen vergleichsweise gut und müssen selten Überstunden leisten. „Und wenn“, betont Maerz, „dann werden diese bezahlt.“

Optimierung der Speisekarte und der Work-Life-Balance

Ob ihn während der Übernahme des elterlichen Betriebs jemals Bedenken beschlichen haben? Selbstzweifel haben ihn nicht geplagt, denn er verfügt über eine pragmatische und selbstbewusste Einstellung: „Ich weiß, was ich kann. Aber ich weiß auch, was ich nicht kann.“ Deshalb hat er die Unterstützung von Profis in Anspruch genommen, zum Beispiel eine Marketingberatung, die ebenfalls durch die L-Bank gefördert wurde. Der Erfolg war selbst für den leidenschaftlichen Profi verblüffend: „Traditionell hatten wir im August tote Hose und das gesamte Personal war im Urlaub. Nachdem wir uns im Marketing anders aufgestellt hatten, war plötzlich das Haus voll.“ Das ging so schnell, dass die Brüder im August 2013 Service und Wäsche mangels Mitarbeiter teilweise selbst organisieren mussten.

Für die Zukunft hat er sich unter anderem die weitere Optimierung der Speisekarte vorgenommen. Kreativ und weltoffen ist sie jetzt schon, sie soll aber ein noch klareres Profil gewinnen. Die wahre Herausforderung sieht er jedoch in seiner eigenen Work-Life-Balance: „Natürlich stehe ich gemeinsam mit meinem Bruder mit vollem Engagement hinter dem Unternehmen“, erklärt Benjamin Maerz, der seit kurzem Vater ist. „Aber ich will eine Brücke, eine harmonische Mischung zwischen Arbeit und Familie finden.“ Denn er möchte ein anderes Leben führen als seine Eltern, deren Familienleben in ihrer aktiven Zeit von Arbeit geprägt war – Zeit war Mangelware. Darüber hinaus möchte er Zeit haben, um sich selbst weiterzuentwickeln, und er begründet diesen Plan mit einer Variation seines Leitsatzes: „Ich weiß, was ich kann. Aber ich weiß auch, dass ich immer noch etwas Neues lernen kann.“

Website des Unternehmens: www.maerzundmaerz.de
Das Programm „Startfinanzierung 80“ der L-Bank: www.l-bank.de/startfinanzierung80