Biova GmbH, Nagold

Das Salz des Unternehmers

In der Antike galt es als Geschenk der Götter. Später nannte man es weißes Gold und im Mittelalter wurde Salz buchstäblich mit Edelsteinen aufgewogen. „Die Zeiten sind leider vorbei“, meint Salzgroßhändler Raphael Deckert aus Nagold augenzwinkernd – dennoch hat er mit Salz und mit Hilfe der L-Bank Programmen Wachstumsfinanzierung, Ressourceneffizienzfinanzierung und Entwicklungsprogramm Ländlicher Raum (ELR) ein erfolgreiches Unternehmen aufgebaut. 

Klicken Sie hier, um die Bildergalerie zu öffnen. Raphael Deckert betreibt den Salzhandel Biova

Wenn eine gute Geschäftsidee auf den richtigen Unternehmergeist trifft, kommt am Ende meist etwas Gutes dabei heraus. So lief es auch bei Raphael Deckert, als er vor fast 15 Jahren auf einer Urlaubsreise einen Experten für Salze aus aller Welt kennenlernte und spontan beschloss, über einen Online-Shop exotische Salze zu verkaufen. Dass der Glaube am Anfang größer war als die Möglichkeiten, störte ihn dabei nicht. Zunächst arbeitete Deckert im Haus der Schwiegereltern, in einem sechs Quadratmeter großen Kellerbüro. Als Angestellter eines Großhandelsbetriebs hatte er nur ein sehr begrenztes Zeitbudget. Ihm blieben nur die Abend- und Morgenstunden, in denen er seinen Online-Shop betreute und mit Kunden kommunizierte. Das war im Jahr 2002, also in einer Zeit, in der viele den Glauben an das Internet und seine Möglichkeiten nach dem Platzen der Dotcom-Blase bereits wieder verloren hatten. Nicht so Raphael Deckert, der, seinerzeit erst knapp 20 Jahre alt, die richtige Einstellung mitbrachte: „Man muss viel arbeiten, das ist klar, aber von nichts kommt nichts.“

Bald konnte der Gründer schon aus dem Keller seiner Schwiegereltern ausziehen und seine Lagerkapazitäten immer weiter ausbauen. Gut 50 verschiedene Speisesalze vertreibt er heute – mit Namen wie Fleur de Sel, Murray River oder Persisches Blausalz. Die edlen Naturprodukte kommen aus Indien, Australien, dem Iran und vielen anderen Ländern der Welt. Alle Salze sind zu 100 Prozent naturbelassen und ohne Zusätze. Über die Jahre wurde das Geschäft um drei Lagerorte erweitert. Heute beschäftigt er 13 Mitarbeiter und liefert an mehr als 2.500 Großkunden. „Von A wie Apotheker bis zu Z wie Zoo ist alles dabei“, so Deckert. Das Sortiment ist inzwischen um biologische sowie konventionelle Zucker-produkte und Pfeffer erweitert worden: „Der steht auf dem Tisch direkt neben dem Salz. Doch ist Pfeffer im Gegensatz zu Salz kein Naturprodukt, sondern wird angebaut. Hier steht ein ganz anderer Wertschöpfungsprozess dahinter, der erst aufgebaut werden musste.“

2014 bekam das Unternehmen Wachstumsschmerzen, die Lagerkapazitäten waren zu gering: „Wir hätten oft mehr Salz verkaufen können, aber wenn die Lagermöglichkeiten fehlen ist es schwierig, auf eine überraschend starke Nachfrage reagieren zu können, weil die Lieferkette zu langsam ist für schnellen Nachschub.“ Da es in der Region keine passenden Gebäude zu erwerben oder zu mieten gab, kaufte Deckert in einem Gewerbegebiet ein Grundstück, um selbst zu bauen. Den Kauf stemmte er mit einem Kredit aus dem Förderprogramm Wachstumsfinanzierung der L-Bank. Die Sparkasse Pforzheim-Calw machte ihn auf die Möglichkeit aufmerksam, weitere Fördermittel zu beantragen. So erhielt der Unternehmer neben einem Darlehen und einem Zuschuss aus dem Entwicklungsprogramm Ländlicher Raum (ELR) und Mitteln der Bürgschaftsbank auch ein Darlehen aus der Ressourceneffizienzfinanzierung der L-Bank. „Nicht nur wegen der Zinsvergüns­tigung war das eine gute Sache, sondern auch weil das Eigenkapital geschont werden kann und es tilgungsfreie Anfangs­jahre gibt“, so Deckert. Damit blieb er flexibel und konnte die Halle sorgfältig planen.

So wird es die Möglichkeit geben, die angelieferten Container in der warmen Halle statt in den Außenbereichen zu entladen. Die Zentralisierung auf einen Lagerort wird nicht nur Effizienzgewinne bringen, sondern auch die Mitarbeiter motivieren, wenn im März 2017 alles betriebsbereit ist. „Die modernen Arbeitsbedingungen werden auch ihnen einen Schub geben.“

Das „Salz in der Suppe“ ist für den 33-Jährigen, ein „mindestens CO2-freies“ Unternehmen zu werden. Ob es die klimaschonende Planung der Transportwege ist, der verschwendungsfreie Umgang mit Altpapier und Kartonagen oder die Energiegewinnung mit der eigenen Solar- und Photovoltaikanlage: Mit Biova will er einen Beitrag dazu leisten, dass seine vier Kinder in einer lebenswerten Umwelt aufwachsen können.

Website des Unternehmens:
www.biova.de

Die Programme der L-Bank:
Wachstumsfinanzierung
Entwicklungsprogramm Ländlicher Raum
Ressourceneffizienzfinanzierung