Fallbeispiel: Giebel FilTec GmbH

Der Generationenwechsel im Unternehmen – zwei Perspektiven und ein gemeinsamer Nenner.

Welche Faktoren bestimmen den Erfolg einer Unternehmensübernahme? Was ist Übernehmern und Übergebern jeweils wichtig? Und wie lässt sich dieser häufig schwierige Prozess möglichst reibungslos bewältigen? Heinrich Laas und Jochen Giebel erzählen, wie sie bei der Übergabe der Giebel FilTec GmbH vorgegangen sind, was ihnen jeweils wichtig war und welche Erfolgsfaktoren dabei eine große Rolle spielten. Aus dem Interview mit beiden wird klar: Bei jedem Generationenwechsel müssen zwei unterschiedliche Perspektiven auf einen Nenner gebracht werden, denn jede Übernahme ist immer auch eine Übergabe – und am Ende sollten beide Seiten zufrieden sein.

Bild zum Fallbeispiel Wirtschaftsfrderung: Giebel Filtec
  • Wie war Ihre Situation, als Sie begannen, nach einem Übergeber/Übernehmer zu suchen?

    Laas: Ich hatte mein Studium zum Wirtschaftsingenieur schon einige Zeit beendet und war stellvertretender Abteilungsleiter im Servicebereich eines attraktiven Unternehmens. Dort fühlte ich mich wohl, aber ich wusste schon länger, dass ich Unternehmer sein wollte, und suchte daher nur noch nach einer geeigneten Gelegenheit, mich selbstständig zu machen.

    Giebel: Ich war 55 Jahre alt, als ich mein Unternehmen gründete, und baute es über viele Jahre hinweg auf. In dieser Zeit war es mir natürlich ans Herz gewachsen. Aber mir war schon immer klar, dass ich es nicht länger als bis zum Alter von 65 Jahren führen möchte – schließlich will man ja auch noch etwas von seinem Ruhestand haben. Also begann ich mit 64, nach einem Nachfolger zu suchen.
  • Welche Art von Unternehmen/Nachfolger haben Sie gesucht?

    Laas: Ich wollte ein kleines, entwicklungsfähiges Fertigungsunternehmen finden, bei dem ich konkreten Einfluss auf die Produkte nehmen kann.

    Giebel: Natürlich war es mir wichtig, einen guten Kaufpreis zu erhalten. Aber nach Möglichkeit sollte der Übernehmer das Unternehmen auch weiterentwickeln und ausbauen.
  • Wie haben Sie gesucht?

    Laas: Ich habe lange gesucht. Dabei hat mich unter anderem auch meine Sparkasse mit Vorschlägen unterstützt. Es war aber schwierig, einen geeigneten Übergeber zu finden, weil sich Unternehmer, die verkaufen möchten, eher bedeckt halten.

    Giebel: Ich habe mich an die Sparkasse Crailsheim gewandt, weil meine Ansprechpartner dort mein Unternehmen gut kannten. Sie haben mir einige potenzielle Übernehmer vorgeschlagen, die ich mir auch angesehen habe.
  • Wie lief der Übergabe-/Übernahmeprozess ab?

    Laas: Noch bevor die Verträge unterschrieben waren, wies mich Herr Giebel in die Abläufe ein und stellte mich den ersten A-Kunden vor. Die Sparkasse informierte mich ausführlich über Fördermittel, unter anderem von der L- Bank, und erarbeitete mit mir die Finanzierung.

    Giebel: Da Herr Laas Wirtschaftsingenieur ist, traute ich ihm die erfolgreiche Weiterführung sofort zu. Im ersten halben Jahr war ich noch häufig in der Firma und begleitete die ersten Montagen. Dann zog ich mich nach und nach zurück. Was später noch zu besprechen war, erledigten wir telefonisch. Die Übergabe war geglückt.
  • Wie geht es für Sie jetzt weiter?

    Giebel: Ich freue mich darüber, dass ich mein Unternehmen in die Hände eines Jüngeren übergeben konnte und es von Herrn Laas nun weiter aufgebaut wird. Diese gute Entwicklung beobachte ich nicht nur aus der Ferne. Ich telefoniere gelegentlich mit Herrn Laas und werde mich weiterhin in dem von ihm gegründeten Beirat engagieren. Aber ich muss auch sagen, dass ich sehr gut losgelassen habe und meinen Ruhestand nun genieße.

    Laas: Die von mir durchgeführten Änderungen – wie die Anschaffung einer Drehbank und die teilweise Integration der Fertigung – haben sich bewährt. Das Leben als Unternehmer gefällt mir sehr gut. Man kann so viel selbst gestalten und entwickeln. Dabei bleibe ich aber auch offen für andere Dinge: So beginne ich bald nebenberuflich mit meiner Doktorarbeit und schaffe mir Freiräume, um Zeit für mein Kind zu haben. Meine Frau unterstützt mich sehr, obwohl sie selbst fleißig für ihre Prüfung zur Steuerfachwirtin lernt.

Informationen zu den Förderprogrammen der L-Bank:

Mehr zum Thema Gründung, Übernahme und Übergabe bietet die Internet-Seite www.l-bank.de/existenzgruendung . Weitere Auskünfte zu den L-Bank Förderprogrammen gibt an der Hotline Wirtschaftsförderung.