Fallbeispiel Helgerit GmbH

Mit Vertrauen in die neue Generation: die Helgerit GmbH

Wer die Firma seiner Eltern übernimmt, setzt sich nicht immer ins „gemachte Nest“. Viele Nachfolger müssen in schwierigen Prozessen überholte Strukturen bereinigen und ein ganz neues Unternehmen entwickeln. Oder, wie es der Übernehmer Björn Sikler von der Helgerit GmbH ausdrückt, „innerhalb des elterlichen Unternehmens selbstständig werden“. Als „Chef alter Schule“ bezeichnet Björn Sikler seinen Vater, der seine Mitarbeiter eng geführt habe.

Fallbeispiel zur Wirtschaftsfrderung: Helgerit GmbH

Um seine eigenen Projekte umsetzen zu können, kümmerte sich Sikler 1994 bei seinem Eintritt in das Unternehmen zunächst um damals brachliegende Geschäftsfelder – sein Ziel war: für weltweite Produzenten von Sintergleitlagern, Kugellager-Ausgleichsscheiben und Fahrzeugteilen (Instrumente und Sensoren) den Vertrieb in Deutschland auszubauen sowie den Vertrieb für einen neuen europäischen Partner für Sinterformteile zu übernehmen. Im Lauf der Jahre konnte er den Bereich der Fahrzeugteile um den Nachbau von nicht mehr verfügbaren Oldtimerteilen erweitern.

Türen zur Finanzierung öffnen

„Anfangs ging es mir darum, bei Helgerit die Basisstrukturen zu schaffen“, erzählt Björn Sikler. So baute er ein Sortiment auf, mit dem er sich einen Namen als zuverlässiger Handelspartner machte. Gemeinsam mit einem Freund richtete er die Buchhaltungneu ein, führte rückwirkend Abschlüsse durch und klärte andere „Altlasten“. Im Jahr 2000 konnte er eine Unternehmenssoftware mit integrierter Finanzbuchhaltung in Betrieb nehmen und 2002 eine kompetente Buchhalterin einstellen.

Eine Erkenntnis hat Sikler aus diesen Jahren mitgenommen: „Wenn man erfolgreich sein will, braucht man klare Strukturen, die auch für Dritte transparent sind.“ Damit meint er vor allem seine Finanzierungsgeber, die Hausbank und das Förderinstitut des Landes Baden-Württemberg, die L-Bank. „Mit der Vorlage der Bilanz aus dem Jahr 1999 konnte ich mit der Volksbank Esslingen Verhandlungen über die Finanzierung der weiteren Expansion aufnehmen.“ Seine belastbaren Unterlagen, die klaren Strukturen und ein überzeugender Businessplan öffneten ihm die Türen zur Hausbank und zu den Fördermitteln der L-Bank. Die Darlehen mit zum Teil zwanzigjähriger Laufzeit und tilgungsfreien Anlaufjahren gaben ihm die nötige Luft. Bis 2004 gelang es ihm, alle Gesellschaftsanteile zu übernehmen. „Erst nach dieser langen Phase war ich mir einigermaßen sicher, es zu schaffen.“

Der Kunde im Mittelpunkt

Zudem gelang es ihm, faire und langfristige Kundenbeziehungen zu entwickeln. Die Basis dafür hatte noch sein Vater gelegt: So begleitete dieser Mitte der 1990er Jahre den VW-Sanierer José Ignacio López bei einer Reise nach Indien und knüpfte stabile, internationale Kontakte. „Für einen guten Kunden realisieren wir auch schwierige Auf träge“, so Björn Sikler, „auch dann, wenn die Beschaffung aufwändig ist.“ Auch die Qualität sieht er für die Kundenbeziehung als bedeutend an. Mit einem selbst entwickelten Prüfgerät werden elektrische Teile getestet; auf diese Weise wird nur beste Qualität an die Kunden geliefert.Ebenfalls schaffte Sikler die Möglichkeit, Teile in bestimmtem Umfang an die Bedürfnisse der Kunden anzupassen.

Ein stabiles Netzwerk schaffen

Ob Björn Sikler Tipps für andere hat, die von ihren Eltern ein Familienunternehmen übernehmen? „Ab dem 50. Lebensjahr sind die meisten Menschen, die ein Unternehmen führen, beratungsresistent“, warnt er schmunzelnd, wohl wissend, dass ihn von diesem Alter nur noch wenige Jahre trennen. Dann fügt er hinzu: „Wichtig ist es, ein gutes Netzwerk zu haben, Durchhaltevermögen zu besitzen und nach allen Seiten Vertrauen aufzubauen.“

Informationen zu den Förderprogrammen der L-Bank:

Mehr zum Thema Gründung und Übernahme bietet die Internet-Seite www.l-bank.de/uebernahme .