Fallbeispiel zur Wirtschaftsförderung: Stickel GmbH

Formvollendet

Nachhaltiges Wachstum bei Familienunternehmen braucht Investitionen.

Das Fazit eines gelungenen Generationswechsels: Wilhelm Stickel führte als Karosseriebaumeister seinen Betrieb in 25 Jahren zu einem Jahresumsatz von fast zehn Millionen Euro. Letztes Jahr hat er das Unternehmen an seinen Sohn Matthias übergeben. Die Finanzierung mit Förderprogrammen der L-Bank half den beiden, die Ideen des Sohnes gemeinsam zu realisieren. „Matthias und ich ergänzen uns einfach gut“ freut sich der Vater über die gelungene Übergabe seines Lebenswerks.

Themenbild Stickel

Mittagshitze, der Löchgauer Dorfbrunnen plätschert vor sich hin. Ein Hund trottet über den Rathausplatz und legt sich unter eine Bank, auf der ein Rentner döst. Stille. Wenige hundert Meter Luftlinie entfernt donnern die Blechpressen aufeinander. Hier produziert die Firma Stickel Teile für Prototypen aller deutschen Automobilhersteller. „Wir haben am Mythos Porsche mitgebaut“, sagt Firmengründer Wilhelm Stickel stolz. Seine Firma war an den Karosserie-Entwicklungen aller Porsche-Modelle der letzten 25 Jahre beteiligt.

1976 gründete der heute 62-jährige eine Karosseriewerkstatt. Stickel reparierte und lackierte damals im Ein-Mann-Betrieb. 1987 gründete er die Stickel GmbH, wie es sie heute gibt. Stickel bearbeitete von Hand Spezialkotflügel für Auto-Tuning-Firmen wie Gemballa und AMG. In den 90er Jahren begann er im Auftrag von Porsche, Blechteile für Prototypen zu produzieren.

Heute arbeiten 78 Fachkräfte bei Stickel. Der Jahresumsatz betrug 2012 fast zehn Millionen Euro. Blech wird jetzt nicht mehr von Hand gedengelt, sondern industriell verarbeitet. „So, wie unsere Firma heute aussieht, stellt man sich nicht den traditionellen Handwerksbetrieb vor. Aber was wir machen ist pures Handwerk: Wir stellen individuelle Teile nach Kundenvorgabe her“, sagt Stickel.

2012 hat er nach 25 Jahren die Firma an seinen Sohn Matthias übergeben. „Für mich war wichtig, dass er einen gesunden Betrieb übernimmt. Unsere Strategie war immer, dass nicht viel Kapital abfließt, sondern dass das Erwirtschaftete in den Betrieb reinvestiert wird“, sagt Wilhelm Stickel. Nur so hätte die Firma nachhaltig wachsen können.

Matthias Stickel ist im Betrieb aufgewachsen und hat bereits mit 16 entschieden, dass er eines Tages die Leitung vom Vater übernehmen will. Seine Ausbildung richtete er dann konsequent darauf aus. Als Wirtschaftsingenieur gibt er der Firma eine neue Richtung. „Mein Vater hat ein technisches Know-How, das ich so nicht habe. Meine Kompetenzen liegen im Bereich der Optimierung und neuen Strategien. So ergänzen wir uns.“

Seitdem er die Geschäftsführung übernommen hat, treibt der Junior die Firma voran. Nachhaltigkeit spielt dabei eine große Rolle. Der Neubau einer Fertigungshalle ist besonders energieeffizient realisiert worden. Die Mehrkosten für die Gebäudeisolierung konnten durch günstige Konditionen eines L-Bank-Darlehens gestemmt werden. Auch eine neue Ressourcen schonende Fräsmaschine konnte so angeschafft werden. „Als Partner war die L-Bank zusammen mit der Kreissparkasse Ludwigsburg unverzichtbar“ blickt Matthias Stickel zufrieden zurück. Die L-Bank, das Förderinstitut des Landes Baden-Württemberg, bietet kleinen und mittleren Unternehmen zinsverbilligte Darlehen für betriebliche Investitionen, die einen deutlichen Energiespareffekt erzielen. Die L-Bank und das Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft verbilligen dazu die ohnehin günstigen Darlehen der KfW aus dem KfW-Energieeffizienzprogramm.

Ein paar Jahre möchte Wilhelm Stickel noch beratend im Betrieb bleiben. Etwas schwer falle es ihm schon, loszulassen. Die Begeisterung für sein Handwerk lässt einfach nicht nach. Ob man für Blech wirklich eine Leidenschaft entwickeln könne? Wilhelm Stickel denkt nicht lange nach: „Aber sicher. Blech ist doch kein toter Werkstoff. Blech lebt.“

Zur Stickl GmbH in Löchgau

700 Tonnen Material werden bei Stickel jährlich verarbeitet. VW, BMW, Opel, Mercedes – die Autohersteller schicken digitale Entwürfe, in Löchgau werden sie zu Achsträgern, Motorhauben und Zierleisten. „Wir sind Teil der Entwicklungskette und deshalb gilt bei uns höchste Geheimhaltungsstufe“, sagt Matthias Stickel. Die hier in kleinen Stückzahlen gefertigten Autoblechteile seien erst in zwei bis drei Jahren als Serie auf der Straße zu sehen. Das Prototypen-Geschäft macht 85 Prozent des Auftragsvolumens aus. Ein weiteres Standbein ist die Reproduktion von Ersatzteilen für Oldtimer. Der Markt wächst und macht rund zehn Prozent des Geschäfts aus.

Informationen zu den Förderprogrammen der L-Bank:

Einen Überblick sowie weitere Auskünfte über die Energieeffizienz-Programme der L-Bank bietet die Broschüre „Energie und Umwelt“, die im Internet unter www.l-bank.de/eef-mittelstand erhältlich ist.