Einmaleins der Unternehmensfinanzierung

Als Existenzgründer sollte man aus Fehlern lernen. Aber am besten nicht aus den eigenen. Im Gespräch mit Gründern, Übernehmern und Unternehmern haben wir uns schon mit den verschiedensten Finanzierungsproblemen befasst. Die Erfahrungen daraus machen wir Ihnen hier zugänglich: als Sammlung von Finanzierungstipps, die Ihnen helfen, Fehler zu vermeiden.

Finanzierungsgespräche frühzeitig führen

Statement:

Mittelständler sind bei der Investitionsfinanzierung oft auf Fremdmittel angewiesen. Von einsamen Investitionsentscheidungen der Unternehmer ist daher dringend abzuraten. Denn welcher Finanzier schätzt es schon, vor vollendete Tatsachen gestellt zu werden.

Situation:

Druckermeister D. beschäftigt sich bereits seit Monaten mit dem Gedanken, eine leistungsfähigere Druckmaschine zu erwerben. Beim Besuch einer Fachmesse erhält er das Angebot eines renommierten Herstellers, eine völlig neu entwickelte Druckmaschine zum günstigen Messepreis zu kaufen. Er unterzeichnet den Kaufvertrag und nimmt erst danach Kontakt zu seiner Hausbank wegen der Finanzierung auf.

Rat:

D. belastet mit seinem Verhalten das Vertrauensverhältnis zu seiner Hausbank. Da er schon längere Zeit über die Neuinvestition nachdachte, hätte er  im Gespräch mit seinem Bankberater frühzeitig seine finanziellen Spielräume ausloten sollen. Nur wer rechtzeitig finanzielle Absprachen trifft und diese auch einhält, kann eine langfristige Bankbeziehung aufbauen, auf die sich beide Partner verlassen können.

Gemeinsamkeit macht stark

Statement:

Gerade kleine Unternehmen zeichnen sich durch besondere Flexibilität und Ideenreichtum aus. Wenn es darum geht, Erfolg versprechende Ideen auch umzusetzen, stoßen sie aber schnell an ihre finanziellen Grenzen. Gemeinsam mit gleich gesinnten Partnern lassen sich technische und finanzielle Probleme leichter bewältigen.

Situation:

Tüftler T. investiert viel Zeit und Geld in die Entwicklung eines Produktes aus der Medizintechnik. Als sein Prototyp fertig gestellt ist, fehlen ihm die Mittel um das Projekt bis zur Serienreife zu bringen. T. lernt auf einer Fachmesse einen anderen Tüftler kennen, der ebenfalls in der Medizintechnik tätig ist und vor ähnlichen Problemen steht.

Rat:

Die beiden Tüftler sollten darüber nachdenken, ob sich ihre Interessen nicht bündeln lassen. In Frage käme hierzu ein Technologiepark. Eine gemeinsame Infrastruktur und der gegenseitige Austausch von Forschungsergebnissen spart Kosten und bringt zusätzliches Know-how. So verschaffen sie sich möglicherweise die finanziellen Spielräume, um nicht auf halbem Weg stehen zu bleiben.

Laufende Betriebsausgaben richtig kalkulieren

Statement:

Wenn die Umsätze hinter den Erwartungen zurück bleiben oder unerwartete eigene Ausgaben entstehen, sind finanzielle Engpässe vorprogrammiert. Ein ausreichender finanzieller Puffer hilft Zahlungsschwierigkeiten zu vermeiden, die schnell Existenz bedrohend werden können.

Situation:

D. beabsichtigt ein Damenbekleidungsgeschäft in einer gut frequentierten Fußgängerzone zu eröffnen. Sie beantragt ohne detaillierte Kostenplanung einen Kredit bei ihrer Bank, der mit einer werthaltigen Lebensversicherung abgesichert ist. D. ist sparsam und beschränkt sich mit ihren Ausgaben auf das Notwendigste. Als die Geschäfte nur schleppend anlaufen, stellt sie fest, dass die eingeleiteten Werbemaßnahmen nicht ausreichen.

Rat:

D. sollte schon frühzeitig fachkundigen Rat einholen. Kammern und Verbände verfügen über Berater, deren jahrelange Branchenerfahrung bei der Einschätzung des Kapitalbedarfs hilft. Unter Berücksichtigung von Standort und Konkurrenzsituation lassen sich so Umsätze und Kosten realistisch planen, damit unliebsame Überraschungen ausbleiben.

Knappe Eigenmittel - das muss nicht sein

Statement:

Die schwache Eigenkapitalausstattung der Unternehmen in Deutschland ist ein bekanntes Phänomen. Genauso vielfältig wie die Ursachen, sind auch die Ansätze dieser Situation entgegenzuwirken. Die Eigenkapitalquote Ihres Unternehmens ist beeinflussbar, gegebenenfalls auch mit externen Kapitalgebern.

Situation:

Großhändlerin G. vertreibt erfolgreich pharmazeutische Produkte im Land. Sie sieht nun die Chance, durch die Übernahme eines konkurrierenden Unternehmens erheblich zu expandieren. Der zu zahlende Übernahmepreis übersteigt ihre finanziellen Möglichkeiten, da sie nicht über ausreichende Eigenmittel und Sicherheiten verfügt. Eine vollständige Kreditfinanzierung ist daher trotz eines überzeugenden Gesamtkonzeptes nicht möglich.

Rat:

Sowohl das überzeugende Übernahmekonzept, als auch der bisherige Unternehmenserfolg, lassen das Vorhaben aussichtsreich erscheinen. G. hat daher durchaus Chancen, einen externen Kapitalgeber zu gewinnen; sei es als Mitgesellschafter,  stillen Beteiligten oder nachrangigen Kreditgeber. Solche so genannte „mezzanine“ Instrumente haben eigenkapitalähnlichen Charakter und helfen dabei, eine Finanzierung so zu strukturieren, dass ein faires Chancen- und Risikoprofil entsteht.

Offenheit gegenüber Finanzierungspartnern

Statement:

Egal, ob Lieferant, Mitgesellschafter oder Kreditgeber - jeder Partner, der Ihrem Unternehmen finanzielle Mittel zur Verfügung stellt oder Zahlungsziele einräumt, geht dabei ein gewisses Risiko ein. Die Grundregel lautet: Je größer das Risiko ist, um so mehr Informationen erwartet der Finanzpartner von Ihnen. Wer aktiv informiert, schafft Vertrauen und festigt die Beziehungen zu seinen Kapitalgebern.

Situation:

Eigenbrötler E. behält seine Bilanzzahlen am liebsten für sich. Seine finanzierende Bank erhält betriebswirtschaftliche Daten nur auf mehrfache Anfrage und drohte in der Vergangenheit schon das eine oder andere Mal mit Kreditkündigung. E. legte seine Bilanzen dann stets vor, wenn auch mit Verzögerung. Seine zuletzt geäußerte Bitte um Aufstockung des Kontokorrentkredites wurde seitens der Hausbank ohne Begründung abgelehnt.

Rat:

Kreditvergabe ist Vertrauen. Und gegenseitiges Vertrauen muss erarbeitet und gepflegt werden. E. ist daher zu empfehlen, seine Partner in eigener Initiative zeitnah und dauerhaft über die Unternehmensentwicklung zu informieren. Selbst schlechte Unternehmensnachrichten lassen sich besser verdauen, wenn ihre Ursachen bekannt und geeignete Gegenmaßnahmen eingeleitet sind.

Steuern sparen ist nicht alles!

Statement:

Die Steuerbelastungen des Unternehmens möglichst gering zu halten, ist betriebswirtschaftlich zweifellos richtig. Um den steuerpflichtigen Gewinn möglichst klein zu halten, werden bilanzpolitisch hohe Aufwendungen (z.B. durch Sonderabschreibungen) erzeugt. In der Folge ist auch das ausgewiesene Eigenkapital gering.

Nur: Wie wirkt dieses Bild auf die Kreditgeber ?

Situation:

Schreinermeister S. hat sich vor einem Jahr selbstständig gemacht. Die damals erworbene maschinelle Ausstattung seiner Werkstatt wird in maximaler Höhe abgeschrieben. Zusätzlich nutzt S. sämtliche Sonderabschreibungsmöglichkeiten. In seiner Gewinn- und Verlustrechnung steht trotz positiver Unternehmensentwicklung ein Verlust zu Buche. Um seine Kapazitäten auszuweiten, möchte er nun weitere Maschinen anschaffen. Seine Eigenmittel hat er allerdings bei der Gründung aufgebraucht. Die Hausbank prüft die Bilanzunterlagen im Rahmen seiner Kreditanfrage nur oberflächlich und kommt zu dem Ergebnis, dass für eine Investition dieser Größenordnung keine ausreichende wirtschaftliche Grundlage vorhanden ist.

Rat:

Gerade junge Unternehmen sind besonders in ihrer Existenz gefährdet. Um so wichtiger ist es, einem potenziellen Kreditgeber solide und stabile wirtschaftliche Verhältnisse nachzuweisen. Die unter steuerlichen Gesichtspunkten sinnvolle Gewinnminimierung wirkt in diesem Zusammenhang leicht kontraproduktiv. S. sollte daher einen gesunden Kompromiss zwischen steuerlichen und finanziellen Überlegungen finden, der sich positiv auf seine Kreditwürdigkeit auswirkt.

Controlling - das A und O der Unternehmensführung

Statement:

Viele Unternehmenskrisen werden erst entdeckt, wenn es bereits zu spät ist. Um möglichst zeitnah alle Entwicklungen im Unternehmen wahrnehmen und steuern zu können, wird ein leistungsfähiges Controlling-System benötigt. Damit der Kapitän das Steuerrad bewegen kann, bevor der Eisberg gefährlich wird.

Situation:

Bauhandwerker B. hat eine ausgezeichnete Auftragslage. An den Wochentagen ist er mit seinen Mitarbeitern beinahe rund um die Uhr auf verschiedenen Baustellen im Einsatz. Die kaufmännischen Arbeiten erledigt er in mühsamer Kleinarbeit am Wochenende. Durch die Doppelbelastung hat er erhebliche Rückstände aufzuarbeiten. Eine exakte Vor- und Nachkalkulation der Aufträge ist ihm aufgrund der Zeitnot nicht möglich.

Rat:

B. befindet sich trotz der guten Auftragslage in einer gefährlichen Situation. Die gleichzeitige fachliche und kaufmännische Betriebsleitung überfordert ihn. Er droht den Überblick über die finanzielle Lage des Unternehmens zu verlieren. Ein Ausweg aus dem Dilemma könnte der Einsatz eines modernen EDV-Systems sein, das die manuellen Vorgänge automatisiert und gleichzeitig Controlling-Funktionen übernimmt. So kann B. Fehlentwicklungen früher erkennen und gegen steuern. Denn eine gute Auftragslage garantiert noch keine Gewinne.

Förderangebote nutzen

Statement:

Baden-Württemberg bietet seinen mittelständischen Unternehmen eine breite Palette von öffentlichen Förderprogrammen. Zinsverbilligte Darlehen mit langen Laufzeiten und tilgungsfreien Anfangsjahren helfen dabei, Ihre Finanzierungsbelastungen in vertretbarem Rahmen zu halten. Durch Angebote zur teilweisen Haftungsübernahme gelingt es, die Kreditrisiken der Geschäftsbanken beherrschbar zu machen.

Situation:

Der seit Jahren selbstständige Bäckermeister B. beabsichtigt aus Rationalisierungsgründen eine vollautomatische Backstraße zu erwerben. Seine Hausbank äußert sich im Hinblick auf die zu erwartenden Belastungen und das Kreditrisiko zurückhaltend.

Rat:

Wir empfehlen B. die Kontaktaufnahme mit seiner Kammer. Dort kann er neben wertvollen technischen und betriebswirtschaftlichen Ratschlägen auch einen Termin für die Beratungssprechtage mit L-Bank und Bürgschaftsbank erhalten. In diesen Gesprächen werden die individuellen Fördermöglichkeiten aufgezeigt und gemeinsam Finanzierungskonzepte entwickelt. Vielleicht der erste Schritt, um auch die Hausbank zu überzeugen.

Auf zwei (Finanzierungs-) Beinen steht man besser

Statement:

Einseitige Abhängigkeiten sind stets problematisch – egal ob es sich um Ihre Kunden, Lieferanten oder Finanzierungspartner handelt. Der vorausschauende Aufbau einer zweiten Bankverbindung vermittelt einen zusätzlichen Partner, der bei finanziellen Engpässen weiterhilft. Denn auch bei der Kreditfinanzierung belebt Konkurrenz das Geschäft.

Situation:

Automobilzulieferer A. plant die Erweiterung seines Betriebes. Seine Umsätze und Erträge waren in den letzten Jahren zufriedenstellend. Die Gemeinde ist bereit, ihm ein angrenzendes Grundstück zu verkaufen, auf dem er eine Fertigungshalle erstellen möchte. Er hat zusammen mit seinem Steuerberater ein detailliertes Konzept erarbeitet, das er seiner Bank vorstellt. Diese lehnt seinen Kreditwunsch mit dem Hinweis ab, man habe schon genügend Sorgen mit Engagements in dieser Branche.

Rat:

Da A. schon seit einigen Jahren zwei Bankverbindungen pflegt, sollte er seinen guten Draht zur XY-Bank nutzen. Deren Berater haben einen guten Ruf und werden sich sicher die Mühe einer individuellen Beurteilung machen. Gestützt auf die Zahlen des Steuerberaters und unter Einbeziehung der Immobilie als Sicherheit, kann so ein Finanzierungskonzept erarbeitet werden, das A. wirtschaftlich nicht überfordert.

Nutzen Sie Finanzierungsalternativen wie Leasing

Statement:

Finanzierungslasten sind leichter zu tragen, wenn sie auf mehrere Schultern verteilt sind. Stützen Sie sich daher nicht nur auf die klassische Kreditfinanzierung. Alternative Instrumente wie Leasing bieten unter Umständen betriebswirtschaftliche und steuerliche Vorteile.

Situation:

Spediteur S. benötigt zusätzliche Transportkapazitäten. Sein Fahrzeughändler macht ihm ein günstiges Angebot zum Kauf eines Neufahrzeuges, das er spontan annimmt. S. hält weder die steuerlichen Aspekte, noch die Frage der Finanzierung für drängend und beschließt, diese beim nächsten Zusammentreffen mit seinem Steuerberater anzusprechen.

Rat:

Das - auf den ersten Blick - verlockende Angebot kann S. leicht teuer zu stehen kommen. Wir empfehlen ihm dringend, Entscheidungen dieser Tragweite nicht "aus dem Bauch heraus" zu treffen. Bei Investitionsentscheidungen gilt es, eine Vielzahl von betriebswirtschaftlichen und steuerlichen Aspekten unter verschiedenen Finanzierungsvarianten gegeneinander abzuwägen. Da Leasingobjekte nicht bilanziert werden müssen, bleiben Bilanzsumme und Eigenkapitalquote im Gegensatz zum Kauf über Bankkredit stabil - ein entscheidender Vorteil für die Bonität des Unternehmens. S. sollte sich daher erkundigen, ob der betreffende Fahrzeughersteller günstige Leasingangebote macht.

Eigenmittel sind Fremdmitteln vorzuziehen

Statement:

Eine solide Eigenkapitalbasis ist für die langfristige Zukunftssicherung Ihres Betriebes unerlässlich. Schaffen Sie sich finanzielle Freiräume, indem Sie Ihre Abhängigkeit von Fremdkapitalgebern möglichst gering halten.

Situation:

Bauunternehmer B. ist es gelungen, eine von ihm erstellte Wohnanlage zu verkaufen. Das Geschäft hat ihm beträchtliche flüssige Mittel eingebracht. Trotz dünner Eigenkapitaldecke plant er eine größere Privatentnahme, um damit eine langfristige private Kapitalanlage zu tätigen. Die absehbar notwendige Vorfinanzierung des nächsten größeren Auftrags möchte er, wie gewohnt, durch seine Kreditlinie bei der Bank vornehmen.

Rat:

Verzicht auf die Privatentnahme. Eine höhere Eigenkapitalquote verbessert das Unternehmensrating und sichert die Kreditwürdigkeit. Die langfristige Auftragsfinanzierung mit vorhandenen Eigenmitteln führt zu erheblichen Einsparungen beim Zinsaufwand und der Überziehungskredit bleibt B. als finanzielle Reserve erhalten.