Tierisch gut

Artgerechte Tierhaltung wird auf dem Erlenhof schon immer praktiziert. Jetzt haben die Rinder auch noch einen Freiluftstall.

Bienen summen über die Wiese, Kühe dösen im Schatten und ein Hängebauchschwein dreht träge seine Runden. Der Erlenhof von Karl-Hermann Rist in Wahlwies am Bodensee ist eine kleine Idylle. Dazu gehören neben Stall, Traktor und Güllegrube auch ein Streichelgehege und Pferde zum Therapiereiten.

Foto Tierisch gut

Der Erlenhof ist kein typischer landwirtschaftlicher Betrieb. Er gehört zum  Pestalozzi Kinder- und Jugenddorf Wahlwies e. V.  und ist einer der zehn Ausbildungsbetriebe des Vereins. Jugendliche, die es auf dem Arbeitsmarkt sonst schwer haben, können hier zum Gärtner, Bäcker oder Landwirt ausgebildet werden. Karl-Hermann Rist hat nicht nur Agrarwissenschaften studiert, sondern ist auch Erzieher. Er leitet den Erlenhof und ist gleichzeitig der Kinderdorfvater. Bei ihm und seiner Frau wohnen sechs Jugendliche, die nicht mehr in ihren eigenen Familien leben können. „Sie brauchen unsere Hilfe, bevor sie alleine in die Welt der Erwachsenen gehen“, sagt er. Damit das funktioniert, sollen die Jugendlichen lernen, so selbstständig wie möglich zu werden. Wäsche waschen und Kochen lernen gehören zum Alltag. Eine solide Ausbildung und eine geordnete Struktur sollen auf das Leben außerhalb des Kinder- und Jugenddorfes vorbereiten. „Für die Jugendlichen sind wir vor allem Partner“, sagt Rist.

Wenn die Jugendlichen morgens pünktlich aus dem Haus und zum jeweiligen Arbeitsplatz gehen, kümmert Rist sich gemeinsam mit fünf Azubis und zwei Mitarbeitern um 150 Rinder, 60 Schweine, 75 Hektar Weide und 75 Hektar Ackerbauland. Der Demeterhof hat sich zur artgerechten Tierhaltung und nachhaltigen Landwirtschaft verpflichtet. Im Rinderstall riecht es nach frischem Gras, die Tiere haben Platz und können durch eine Öffnung nach draußen ins Freigehege. Artgerecht ist auch der Umgang mit dem Gehörn der Rinder. „In normalen Betrieben werden die Hörner gleich nach der Geburt abgeschnitten“, sagt Rist. Auf Demeterhöfen orientiert man sich bewusst an den natürlichen Lebensbedingungen der Tiere. Die Tiere stammen größtenteils aus eigenem Nachwuchs und der Dung/Mist landet am Ende wieder auf den eigenen Feldern. „Besonders stolz sind wir auf unseren geschlossenen Betriebskreislauf“, sagt Rist. Das bedeutet, dass Saatgut, „Back- und Futter“getreide, Gras und Heu selber hergestellt werden.

Jetzt wird ein neuer Stall mit Freigehege für Kälber und junge Rinder gebaut. Auch, weil der Hof mehr Tiere halten möchte als bisher. Der große, moderne Freiluftstall ist schon fast fertig. „Zwischen 350.000 und 370.000 kostet er“, sagt Rist. Mit diesem finanziellen Kraftakt soll nicht nur die Tierhaltung noch artgerechter werden, sondern es sollen auch wichtige Impulse für eine nachhaltige Entwicklung des Erlenhofs angeschoben werden. Finanziert wird diese zukunftsweisende Investition mithilfe günstiger Förderkredite, die die L-Bank zusammen mit einer Partnerbank vor Ort – der Sparkasse Stockach  – zur Verfügung stellt.

Die Mittel stammen aus dem Förderprogramm „Landwirtschaft-Nachhaltigkeit“, das die L-Bank zusammen mit der Landwirtschaftlichen Rentenbank anbietet. Landwirtschaftliche Betriebe können so zinsgünstige Darlehen für umweltfreundliche Investitionen in der Landwirtschaft erhalten, wenn sie damit Maßnahmen finanzieren, die die Energieeffizienz steigern, die Emissionen mindern, die Tierhaltung verbessern oder die Qualität in der Produktion steigern. Auch Investitionen in den ökologischen Landbau werden gefördert.

„Ohne die niedrigen Zinsen aus dem Förderprogramm hätten wir uns das nicht leisten können“, sagt Karl-Hermann Rist und führt stolz über die Baustelle, zeigt auf den vollautomatischen Gülleschieber und die moderne Tränkeanlage. Und wie zur Bestätigung stimmen die Rinder ein gemeinsames Gebrüll an.

„Es geht um Werte.“

Die Reportageschule Reutlingen im Gespräch mit Karl-Hermann Rist, dem Kinderdorfvater und Leiter des Erlenhofes.

  • Herr Rist, wie konnte die L-Bank helfen, die Arbeitsbedingungen auf Ihrem Hof zu verbessern?

    Ganz konkret durch die Finanzierung eines neuen Stalls für unsere Rinder. Damit verbessern wir die Lebensbedingungen der Tiere und erleichtern die Arbeit für die Menschen. Wir sind ein kleiner Ausbildungshof, der zum Pestalozzi Kinder- und Jugenddorf gehört. Leider haben wir kein Sparbuch, mit dem wir den Stall hätten finanzieren können, deswegen war der günstige Förderkredit entscheidend. 
  • Was wird durch den neuen Stall besser?

    Wir sind ein Demeter-Betrieb und haben strenge Richtlinien für nachhaltige Landwirtschaft und artgerechte Tierhaltung. Durch den neuen Stall haben wir noch mehr Platz für unsere Rinder. Im alten Stall konnte nur einige Tiere nach draußen ins Freiluftgehege. Im neuen Stall können „dies“ (das) alle und jederzeit. Wir haben außerdem eine energieeffizientere Trinkwasseranlage. Der Kot  wird automatisch mit einem Schieber in die Güllegrube geschoben. Und vieles mehr.
  • Wie sieht nachhaltige Landwirtschaft auf Ihrem Hof aus?

    Wir wirtschaften in einem geschlossenen System. Fast alles, was unsere Tiere brauchen, bauen wir selber an, Getreide, Gras, Heu. Selbst die Tiere kaufen wir nicht dazu, wir haben eine eigene Aufzucht. Es ist ein Kreislauf.
  • Wer kauft Ihre Produkte?

    Einen Teil bekommt der Dorfladen des Pestalozzi Kinder- und Jugenddorfes. Hier können unsere  Jugendlichen eine kaufmännische Ausbildung machen. Im Laden selber kaufen Bewohner aus Wahlwies ein. Einen anderen Teil bekommt die Küche des Kinderdorfes. Die bereiten pro Tag 800 Essen zu, auch für die Schulen und Kitas der Umgebung. Der Erlenhof arbeitet wirtschaftlich, das heißt, wir haben keine Verluste. Wir finanzieren unsere Auszubildenden, die Angestellten und alle Anschaffungen und Abschreibungen selbst. Darauf bin ich stolz.
  • Können Sie das Ausbildungsprinzip erklären?

    Jugendliche, die Schwierigkeiten auf dem Arbeitsmarkt haben, können in insgesamt zehn Betrieben des Kinder- und Jugenddorfes eine Ausbildung machen. Auf dem Erlenhof haben wir derzeit fünf Azubis.
  • Wie könnte die L-Bank positiv beeinflussen, dass Unternehmen sich stärker für die Umwelt engagieren?

    Es geht um Werte. Banken können sich positiv positionieren, indem sie Geld nicht nur nach wirtschaftlichen Maßstäben verleihen, sondern auch nach solchen, die einen Wert für unsere Gesellschaft haben. Artgerechte Tierhaltung ist so ein Wert. Da übernehmen wir alle Verantwortung. Gut wäre es, wenn in den Banken diejenigen über Kredite entschieden, die Ahnung von Nachhaltigkeit haben. Förderbanken können hier mit gutem Beispiel voran gehen.
Informationen zu den Förderprogrammen der L-Bank:

Einen Überblick über die L-Bank Förderprogramme finden Sie im Internet unter www.l-bank.de/landwirtschaft erhältlich ist.