Eingespielt – Wie man spielend den Landespreis gewinnt

Wie man soziales Engagement und wirtschaftlichen Erfolg verbindet, zeigt das Spielplatz-Unternehmen Kukuk.

Die Welt verbessern und damit Geld verdienen – das klingt ungewöhnlich. Doch genau das ist Teil des Erfolgskonzeptes des Stuttgarter Unternehmens Kukuk . Die Jury des Baden-Württembergischen Landespreises für junge Unternehmen belohnte „den wirtschaftlichen Erfolg, die Innovationskraft, das soziale Engagement, die ökologische Verantwortung und den Einsatz für die Gesellschaft“ der Kukuk GmbH im Jahr 2012 mit dem ersten Platz.

Und weil Kukuk eben etwas Besonderes ist, haben die beiden Geschäftsführer und Firmengründer Bernhard Hanel und Robin Wagner mit den 40.000 Euro Preisgeld gemeinsam mit allen Mitarbeitern, vom Schreiner bis zur Buchhalterin, einen Spielplatz für die Naturfreunde gebaut. „Das war zwar kein Urlaub, aber machte Freude, denn wir mussten dieses Mal nicht aus wirtschaftlich notwendigen Gründen arbeiten und konnten den sozialen Organismus unseres Unternehmens so noch mehr festigen“, erklärt Wagner.

Aktionen wie diese passen zur Philosophie der beiden Chefs und der rund 30 festen und freien Mitarbeiter. Weil die Umgebung einen starken Einfluss auf die Entwicklung von Kindern hat,  entwirft ein kreatives Team aus Künstlern, Landschaftsarchitekten, Spielraumgestaltern, Schreinern, Tischlern und Pädagogen individuelle Spielstätten und Außenräume für Kinder und Erwachsene.

Begonnen hat alles 1996 ganz klein. Am Anfang waren zwei Freunde. Bernhard Hanel und Robin Wagner beschlossen noch während ihres Studiums der Kulturgestaltung in Metzingen, sich selbständig zu machen. Sie organisierten Veranstaltungen und arbeiteten als freischaffende Künstler. Bald kam der Auftrag, der die ersten Pflastersteine ihres weiteren Weges legen sollte. „Die Stadt Metzingen fragte uns, ob wir einen Schulspielplatz entwerfen möchten“, erzählt Wagner. Was folgte, gleicht einem kleinen Erfolgsmärchen. Die Mund-zu-Mund-Propaganda verschaffte ihnen immer mehr Aufträge und so gründeten Hanel und Wagner 2004 ihre GmbH und stellten erste Mitarbeiter ein.

Kommunen, Kliniken, öffentliche und private Kindergärten und Schulen: Die Nachfrage nach den Spielanlagen, die mit ihren vogelnestartigen Baumhäusern oder Kletterlandschaften wie abstrakte riesige Kunstwerke aus Holz und Stein wirken, reist nicht ab. Nicht selten arbeiten Lehrer und Schüler an den Projekten mit. Schließlich sollen sie die Anlagen auch nutzen. „Das Thema Beteiligung der späteren Nutzer war schon sehr früh wichtig für uns“, erklärt er.

Doch nur Geld zu verdienen und nichts zurückzugeben, das sah der Lebensplan der beiden Geschäftsführer nicht vor. 2010 gründeten sie gemeinsam mit weiteren Mitstreitern den Verein Kukuk Kultur – davor schon realisierten sie Projekte mit dem Verein Zelt. Gemeinsam mit Jugendlichen und jungen Erwachsenen machen sie auch hier das, was sie am besten können, und gestalten Außenräume für Schulen, Kindergärten, private Initiativen und Städte. Von Bosnien über Nepal bis hin zum Libanon: Seit 2004 sind zahlreiche Projekte unter Mithilfe deutscher Schüler verwirklicht worden. „Es ist für die Schüler immer wieder schön zu erleben: ‚Ich bin sinnvoll, ich bin zu etwas Gutem nütze in meinem Leben’“, so Wagners Überzeugung.

Landespreis Kukuk

„Die schönsten Erfahrungen kann man nicht kaufen.“

Die Reportageschule Reutlingen im Gespräch mit Robin Wagner, einem der Geschäftsführer der KuKuK GmbH.

  • Herr Wagner, wie hat sich der Landespreis für junge Unternehmen auf Ihre Firma ausgewirkt?

Der Preis war für uns schon wichtig, bevor wir ihn bekommen haben. Als wir uns dafür bewarben, haben wir uns selbst Fragen gestellt: Wie sind wir eigentlich aufgestellt? Wo sind unsere Schwachstellen? Wir fingen an, uns zu hinterfragen. Der Preis motivierte uns.

 
  • Sie haben also mit einer Art Checkliste vorab geprüft: Kommen wir überhaupt in Frage für den Preis?

Ja, genau. Und als wir ihn bekamen, waren wir motiviert, zu sagen: Wir werden unseren Weg noch konsequenter weiter gehen.

  •  Was genau, glauben Sie, gab den Ausschlag?

Wir wurden nicht nur für eine fachliche Leistung ausgezeichnet, sondern für die ganze Anstrengung, die wir unternehmen. Dazu gehört auch unser soziales Engagement und wie wir mit den Mitarbeitern umgehen. In Baden-Württemberg als Technologie-Standort zählen ja oft ganz andere Kompetenzen. Wenn wir dann mit einem weicheren Wirtschaftswert Erfolg haben, ist der Preis die wunderbare Bestätigung, dass wir eine wichtige Arbeit leisten. 

  • Gehören wirtschaftlicher Erfolg und soziales Engagement für Sie zusammen?

Auf jeden Fall. Wenn man Erfolg hat, kann man auch mehr geben. Die Dankbarkeit, die ich erfahre, ist ein Wert, den ich mir für Geld nicht kaufen kann.

  • In Ihrer freien Zeit bauen Sie Spielplätze für Kinder in Krisengebieten. Wie kam es zu der Idee, den Verein Kukuk Kultur zu gründen?

Wir hatten schon immer den Wunsch zu helfen. Durch die Beteiligungsprojekte an Schulen kam irgendwann die erste Schulklasse auf uns zu und fragte, ob wir etwas gemeinsam mit ihnen machen könnten. Bei der Suche nach einem Projekt stießen wir 2004 auf einen multiethnischen Kindergarten in Sarajevo, den wir dann gemeinsam mit den Schülern bauten. Mittlerweile sind es weltweit vier bis fünf Projekte im Jahr.

  • Wenn wir Geld mal außen vor lassen: Wie könnte die L-Bank als Förderbank ihr gesellschaftliches Umfeld noch nachhaltiger entwickeln?

Was mir als erstes in den Sinn kommt, wäre eine Wirtschafts- und Finanzberatung für Unternehmen in Krisenzeiten. Wir bekommen das gerade von einem befreundeten Unternehmen mit, das auf die falschen Berater gesetzt hat. Die hatten ihre Hilfe zwar ehrenamtlich angeboten, doch das ging nicht gut. Vielleicht hat eine Förderbank da andere Möglichkeiten mit ihrer Förderberatung.